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Was jetzt geschieht

Die Freiwilligen des Jahrganges 2019/20

Berichte von Freda

Die Freiwilligen des Jahrganges 2018/2019

von links nach rechts: Emilia, Selen, Pauline, Helena

Hier berichten sie über ihre Arbeit:

Wir sind jetzt fast am Ende unseres Freiwilligendienstes angekommen. Die vergangenen Monate auf Rhodos haben wir sehr genossen, ganz besonders natürlich die gemeinsame Zeit mit unseren Kindern in Agios Andreas. Dabei konnten wir zu unserer aller Freude, auch einige Fortschritte bei unseren Schützlingen feststellen. Ein paar davon wollen wir hier mit euch teilen.

Unsere Kleinste, V., war anfangs noch sehr unsicher, wenn es darum ging, eigenständig zu handeln. So hat sie damals kaum einen Schritt ohne uns an ihrer Hand gemacht und musste sich häufig vergewissern, dass wir noch da sind. Heute rennt sie quer durchs Gelände, immer wissend, dass auf unsere Anwesenheit Verlass ist. Auch ihr Gleichgewichtssinn hat sich um einiges verbessert. Am Meisten freut uns, dass sie inzwischen gut genug kauen kann, um feste Nahrung zu sich zu nehmen.

Unser kleiner Tüftler T. ist nach wie vor an allem Mechanischen interessiert und gewinnt darüber ständig neue Erkenntnisse. Besonders freut uns dabei, dass er immer mehr Wörter ins gemeinsame Spiel einbringt, wie zum Beispiel: „ella“ (komm), „ochi“ (nein), „ena, dio“ (eins, zwei) oder „klisse“ (schließen). Auch seine Gestik zur sonstigen Verständigung ist eindeutiger geworden.

Die Älteste unserer kleinen Bande, E., ist unsere Meisterin im Zähneputzen, niemand sonst macht das so eigenständig wie sie. Anfangs noch sehr misstrauisch und schüchtern, kommt sie nun vollkommen aus sich heraus. Besonders viel Enthusiasmus zeigt sie bei gemeinsamen Klatschspielen. Wenn sie selbstbewusst zu „We will rock you“ mitklatscht zeigt sich vor allem auch ihr stark verbessertes Rhythmusgefühl.

Wir sind sehr traurig, dass unser gemeinsamer Weg mit den Kindern nun bald zu Ende geht, sind jedoch schon sehr gespannt von den nächsten Freiwilligen über die weiteren Fortschritte und Entwicklungen unserer Kinder zu hören.

Helena, Selen, Emilia und Pauline

Rebekka, eine Deutsch-Griechin aus Rhodos

Rebekka arbeitet seit mehr als einem halben Jahr in Agios Andreas. Unser Verein Stirixi hat sie als Halbtageskraft zur Unterstützung des Pflegepersonals zusammen mit dem griechischen Elternverein I Storgi dort angestellt.

Hier ihr Bericht über ihre Arbeit dort:

Die Zeit vergeht so schnell, dass schon ein halbes Jahr vergangen ist, seit dem ich als Halbtagskraft angefangen habe im Heim zu arbeiten. Ich bin zuständig dafür, dass die Kinder unbeschwert aus den vier Wänden ihres Zimmers kommen und die Welt draußen entdecken können. Diese Tätigkeit zaubert den meisten Kindern ein Lächeln ins Gesicht. Man merkt wirklich wie diese dadurch glücklich werden.

Deswegen möchte ich mich an erster Stelle beim Verein “Unterstützung der Kinder in Agios Andreas” und dem Elternverein “I Storgi”  ganz herzlich bedanken, dass mir diese Tätigkeit anvertraut wurde und ich erleben darf, wie ich für ein kleines Stück Glück im Leben dieser Kinder arbeiten kann.

Seit 2017 kam ich regelmäßig mit den Frauen der Montagsgruppe ins Heim. Dort haben wir auf die kleineren Kinder aufgepasst. Speziell für mich wurde die süße und fröhliche Eftichia – ganz wie ihr Name sagt – zugeteilt. Dadurch hatte ich schon einen Einblick in das Heim mit seinen Bewohnern gewonnen. Viele Kinder kannte ich daher schon vom Sehen, bevor ich schließlich als Arbeitskraft angestellt wurde. Trotzdem ist es etwas ganz anderes, wenn man mit jedem dieser Menschen persönliche Zeit verbringt und deren Wesen wirklich kennenlernt.

Behindert oder sogar schwerstbehindert spielt keine Rolle mehr für mich. Ich habe durch meinen Kontakt mit diesen Menschen ganz klar erkannt, dass es genau solche Menschen sind wie wir, die wir uns für „gesund“ und “normal” halten. Eine jede dieser Seelen hat ihren ganz eigenen Charakter, ihre Vorlieben und ihre Art, mit der sie die Welt entdecken möchte wie auch die Art, sich auszudrücken. Die meisten der Kinder können nicht sprechen. Sie machen nur Geräusche. Trotzdem sind sie voll und ganz da. Sie merken alles, was um sie herum passiert und verstehen auch, was man ihnen mitteilt. Eigentlich ist es die meiste Zeit ganz einfach mit ihnen umzugehen. Man braucht nur eine gute Portion Geduld und Liebe. Ein bisschen Liebe reicht schon aus, um ein ganz glückliches Gesicht zu zaubern.

Um einen Eindruck von den tollen und sehr individuellen Persönlichkeiten zu geben, mit denen ich jeden Tag in Berührung komme, möchte ich einige Kinder einmal an dieser Stelle vorstellen, natürlich ohne ihre richtigen Namen zu nennen. (Auch die Bilder zum Artikel müssen anonym bleiben. Deshalb sind nur solche ausgewählt, die einen ungefähren Moment- Eindruck von ihnen geben.)

KONICA MINOLTA DIGITAL CAMERA

Da ist zunächst P: Dieser Junge, eigentlich schon ein Erwachsener, ist eines unserer Maskotkinder im Heim. Er kann laufen und hat einen sehr sonnigen Charakter. Er ist halb taub und wahrscheinlich deswegen spricht er auch nicht, aber er macht sehr typische Geräusche. Er liebt es auch, selbst Geräusche zu erzeugen, indem er auf Türen oder Wände klopft und dabei mit seinem Ohr lauscht. Ich habe einmal versucht ihm Musik von meinem Handy ganz nah an seinem Ohr abzuspielen und dabei gemerkt, dass er das total faszinierend findet. Manchmal mache ich mit ihm auch größere Spaziergänge. Er ist aber leider nicht sehr stabil auf seinen Beinen, was die Unternehmung schwierig macht. Er krallt sich auch ganz gerne an jemanden an, was wehtun kann. Wenn man ihm zu wenig Beachtung schenkt, fängt er an, einen über-all anzufassen und zu klopfen! Dabei lacht er dann ganz laut. Wird man dann ernst mit ihm, lacht er einfach weiter. Seine liebste Beschäftigung ist, Müll aufzusammeln (dazu gehören auch Stöcke und Steine) und diese in eine Tüte zu stecken oder direkt in eine Tonne zu werfen. Eine sehr hilfreiche Tätigkeit!

KONICA MINOLTA DIGITAL CAMERA

Dann ist da T: Dies ist eines der ruhigsten Kinder im Heim. Er hat down Syndrom, kann nicht sprechen und man wird auch niemals wirklich ein Geräusch von ihm hören. Nur sein Lachen kann man hören, welches sehr strahlend ist. Es macht ihm sehr viel Spaß, größere Sachen wie Stühle zu werfen und dabei zu lachen. Eine weitere Tätigkeit, welche er liebt, ist das Springen! Mit dem Springseil geht es eher schlechter, da er damit nicht richtig umgehen kann, aber wenn ich vor ihm mit dem Springseil springe, lacht er sich kaputt. Am besten klappt das Springen mit ihm, wenn man seine Hände hält und mit ihm zusammen springt. Das liebt er! Ich kann mit ihm sehr albern sein. Je alberner desto besser für ihn. Er ist auch fähig größere Spaziergänge durch die Felder zu machen (mit vielen Pausen zwischendurch). Das habe ich schon einige Male gemacht. Er ist abenteuerlustig. Wenn man keine Zeit für ihn hat, zieht er sich ganz schnell in sich zurück und macht einen müden, traurigen Eindruck. Manchmal gibt er sich seinen speziellen Gymnastikübungen hin, in dem er seine Beine hinter den Kopf zieht oder sich mit dem ganzen Oberkörper nach vorne biegt. Er ist sehr elastisch. Er könnte bestimmt im Zirkus einige Nummern hinbe-kommen, wenn er entsprechen trainiert würde. Seine Mutter kommt ihn regelmäßig besuchen und ist im Elternverein sehr aktiv.

Und da ist auch G: Das ist unser Sonnengott. G. ist ein Kind mit dem Engelmann Syndrom. Ganz zum speziellen Syndrom passend, hat er blonde Haare und blaue Augen und ist sehr leicht zu lautem Lachen zu bringen. Obwohl man ihn immer in einen Rollstuhl setzt, um mit ihm draußen rum zu fahren, muss man sehr gut auf ihn achten. Kaum lässt man seine Augen von ihm, ist er schon halb aus seinem Rollstuhl gekrabbelt und isst Erde oder Blätter. Er nimmt alles, aber auch alles was in seine Hände kommt, in den Mund. Meistens bekommt er in seinem Zimmer ein Tuch in die Hände, an denen er genüsslich kauen kann. Oft ist das Tuch samt seinem Anzug ganz nass davon. Etwas, was für mich sehr verwunderlich ist, denn er trinkt so gut wie gar kein Wasser.

KONICA MINOLTA DIGITAL CAMERA

Schließlich M: Das ist unsere kleine Türkin, die seit der Geburt halbseitig gelähmt ist. Sie hat erstaunliche Kraft und kann sich enorm gut fortbewegen indem sie wie ein Häschen hüpft. Trotzdem nehme ich sie immer mit einem Rollstuhl hinaus, denn es ist doch sehr anstrengend, überall hüpfen zu müssen. Sie mag es in ständiger Bewegung zu sein. Bleibt man stehen, wird sie sehr schnell ihren Unmut zeigen, indem sie wütende Geräusche macht und mit ihrer Faust ihr Knie schlägt. Das bedeutet für mich, dass ich mit ihr entweder weiter mit dem Rollstuhl viele Runden drehe, oder sie auf die Schaukel setze und kräftig schwinge. Das liebt sie.

Das sind einige von den Kindern, mit denen ich am meisten zu tun habe. Ein paar andere können sich auch gut bewegen, aber der Umgang mit ihnen ist schwer. Deshalb überlasse ich diese meinem Kollegen N. .

Ein paar andere Kinder sind total bettlägerig. Diese besuche ich dann zwischendurch immer einmal und nehme sie in den Arm. Dazu gehört auch mein allerliebster, der kleine süße Phillip.

Meine Arbeit kann ich so beschreiben: Ich passe mich an die Bedürfnisse und die Vorlieben der Kinder an. Mein hauptsächliches Ziel ist es, den Kindern ein Lächeln auf das Gesicht zu zaubern. Wenn ich einmal heraus- gefunden habe, was das Kind zum Lachen bringt, versuche ich immer wieder damit das Kind zum Lachen zu bringen. Es entsteht so eine zwischenmenschliche Beziehung, die mit der Zeit immer tiefer und reifer wird. Ich lerne das Kind immer besser kennen und das Kind öffnet sich mir gegenüber auf seine Art immer mehr. Am Anfang hatte ich große Probleme mit dem Personal, welches mich nicht akzeptieren konnte oder wollte. Das hat sich schon längst gelegt. Ich habe so gut wie gar keine Probleme mehr. Auch die Angst die ich anfangs hatte, erzeugt durch die Warnungen, dass die Kinder unberechenbar sind und auch gefährlich werden können, ist längst verflogen. Ich weiß inzwischen sehr gut, dass diese Kinder weder unberechenbar sind noch gefährlich. Das einzige was sie brauchen ist Liebe und Anerkennung. Wenn man weiß auf was jedes Kind reagiert, wenn man weiß, wie man mit jedem Kind am besten umgehen soll, dann merkt man ganz schnell, dass hinter all ihren Handlungen und Reaktionen eine gewisse Logik steckt und keine Gefahr.

Für mich ist diese Tätigkeit eine große Bereicherung für meine eigene Persönlichkeit, deswegen mache ich diese Arbeit auch gern; auch wenn sich manch einer wundert, warum ich mich entschlossen habe eine Arbeit zu machen, mit der ich so wenig Geld verdiene. Ich mache diese Arbeit nicht wegen des Geldes. Es steckt für mich viel mehr dahinter, Sachen, die man mit Geld einfach nicht kaufen kann. Das zu erleben, dafür bin ich dankbar.

Hier ein Foto von Rebekka:

Bericht von Monika

Als ich mich entschieden hatte mit Martin nach Rhodos zu gehen, war mir klar, dass ich dort in der Gemeinde ehrenamtlich tätig sein wollte. Schon bei unserem ersten Besuch auf der Insel schwärmte mir Irmgard Busch von der Arbeit im Heim Agios Andreas und von der Arbeit der vier jungen Frauen im sozialen Jahr vor. Natürlich war der Schock groß, als ich zum ersten Mal das Heim besichtigt hatte. Die Zustände waren für deutsche Verhältnisse kaum zu fassen, so dass ich mir erst einmal in der Nähe Hildesheims eine Einrichtung angesehen habe. Von dort nahm ich viele Anregungen mit, in der Hoffnung hier etwas zu ändern. Leider ist das sehr schwierig.  Mit Rose, Carmen und Beate hat man aber wunderbare Mitkämpferinnen für das Wohl der Kinder. So hoffe ich, mit meinem Besuch jeden Montagabend, dem kleinen Philipp ein wenig Nähe und Freude  gegeben zu haben. Er ist so ein wundervolles Kind und er gibt einem so viel zurück durch sein Lachen. Es ist eine große Freude zu sehen, wie unsere Freiwilligen mit den Kindern umgehen, sie so liebevoll betreuen und ihnen so viel an Zuneigung geben. 

Die Treffen mit unseren vier Mädels, wie wir sie immer nennen,  jeden Sonntagabend sind aus unserem Leben hier nicht mehr wegzudenken. Das gemeinsame Essen und die Gespräche mit ihnen sind uns sehr wichtig. Dazu kommt noch die kompetente Unterstützung durch Helga, die psychologisch beratend immer ansprechbar war und ist. Ich werde all dies sehr vermissen, aber den Verein und seine Arbeit weiter unterstützen.

Monika Knippenberg