Was jetzt geschieht

Die Freiwilligen des Jahrganges 2020/21

Das sind (v.l.n.r.): Niklas, Sophie,  Aliki und Nele; die Freiwilligen des Jahrganges 2020/21

Neuigkeiten aus 2021

Januar

Im Januar konnte ich wieder zur Arbeit gehen und verbrachte die ersten beiden Wochen im Agios Andreas. Die Arbeit macht mir nach wie vor viel Spaß, ist allerdings auch wirklich anstrengend.
An unserem ersten freien Wochenende unternahmen wir gemeinsam einen Roadtrip mit einem Mietwagen. Das ist eigentlich illegal, denn erlaubt sind derzeit nur zwei Personen pro PKW. Wir setzten uns darüber hinweg, da wir als “ein Haushalt” den Sinn nicht so richtig nachvollziehen können. Und wir hatten Glück, nicht in eine Kontrolle zu geraten!
Unsere Tour führte uns zunächst zur Kapelle “Profitis Ilias” in der Nähe von Archangelos. Von dort erhofften wir uns einen Blick über die Insel bis auf das Meer. Tatsächlich erwartete uns derart starker Nebel, dass man circa vier Meter weit sehen konnte. Das war total unwirklich, aber trotzdem toll. Am liebsten fahren wir endlos Landstraßen und singen zu den gleichen drei Liedern lautstark mit. Dann bin ich richtig glücklich. Die Straßen (und Sophies Google Maps) führten uns weiter zur Burgruine Kritinia, die ich schon einmal mit meinen Eltern im Sommer besucht hatte.  Dieses Mal waren wir aber die einzigen Menschen dort, und es war schon dunkel. So konnten wir die umliegenden Inseln und deren beleuchtete Dörfer im Meer glitzern sehen und genossen die weite Sicht und absolute Stille, bevor wir dann am Meer entlang zurückfuhren.

Bald vertrat Sophie uns dann bei einem Gespräch mit dem politischen Vertreter der sozialen Einrichtungen hier auf Rhodos. Themenpunkte, die angesprochen wurden, waren (wie immer) die verschlossene Tür hier im Waisenhaus und das damit verbundene Warten, das oft daher rührt, dass uns hier einige Mitarbeiter nicht besonders viel Respekt entgegenbringen, und ein weiteres Zimmer. Ich wünsche mir nämlich schon seit längerer Zeit ein Einzelzimmer, einfach weil ich viel Zeit für mich alleine brauche und das Zusammenleben mich oft anstrengt. Der Mann versicherte uns, dass sich unsere Lage hier verändern würde, versprach uns Besserungen, fragte sogar nach weiteren Wünschen. Bis jetzt, Ende des Monats, ist allerdings überhaupt nichts passiert. Die Hoffnung auf ein Einzelzimmer wurde schon einige Tage später getrübt, als unsere Psychologin Helga uns bei einem Treffen erzählte, sie habe mit der Heimleitung telefoniert. Diese hatte ihr gegenüber geäußert, dass es zur Zeit leider kein weiteres bewohnbares Zimmer geben würde. Allerdings hatte Helga auch gute Nachrichten. Die Heimleiterin berichtete ihr, dass sie von den Gerüchten gehört hätte, die von der besagten Betreuerin stammen, die uns manchmal respektlos behandelt und verleumdet, dass sie aber sehr wohl wisse, wie sie die Äußerungen dieser Mitarbeiterin einzuordnen habe. Das hat uns sehr entlastet.

Ein paar Tage später hatten wir dann einen Fototermin mit den neuen Rollstühlen, die Roses Förderverein gespendet hat. Möglich wurde diese Anschaffung unter anderem durch eine glückliche Fügung. Meine Eltern verkaufen jedes Jahr Weihnachtsbäume für einen guten Zweck. In diesem Jahr spendeten sie auch für den Freundeskreis Elliniko, der soziale Projekte in Griechenland unterstützt, wie z.B. eine Sozialklinik, aber auch Projekte für Menschen mit Behinderungen. Als sie dem Vereinsvorsitzenden von meinem Freiwilligendienst im Agios Andreas berichtete, war dieser sofort interessiert, setzte sich mit Rose in Verbindung und sagte schließlich eine großzügige Spende für ihren Förderverein zu!

Neue Rollstühle und ein neues Krankenbett Jan 2021
Die ersten Benutzer der neuen Rollstühle

Ein Artikel über dieses Ereignis soll mit Foto voraussichtlich in der deutschsprachigen “Griechenlandzeitung” erscheinen. Es ist wirklich herzerwärmend zu erleben, wie auf diese Weise etwas bewegt werden kann, und ich danke allen, die mit ihren Spenden dazu beigetragen haben!

Kalt sind dagegen die Temperaturen – im Januar erlebte ich die bisher kältesten Tage mit gerade einmal 9°C. Ich weiß, ihr plagt Euch mit Minusgraden im zweistelligen Bereich herum, aber eure Fenster schließen sicherlich besser als das Modell “italienische Besatzung”, bei der man jeden Windstoß spürt, es klappern hört, und durch die es auch mal durchregnet. (Ich glaube, ich muss noch mehr Isoliertape kaufen.) Generell ist das gesamte Gebäude alt und nicht isoliert, so dass man trotz laufender Heizung oft nicht richtig warm wird.

Am 19.01. wurden dann die Corona-Bestimmungen etwas gelockert, so dass die Läden wieder öffnen durften. Überall waren zunächst lange Schlangen, jeder hatte Nachholbedarf, und auch ich freue mich sehr, dass endlich wieder ein bisschen öffentliches Leben stattfindet, und man etwas unternehmen kann.

In dieser Woche war ich dann auch im Waisenhaus, welches ja zwischen Alt- und Neustadt gelegen ist, und nutzte die Zeit aus, um durch die Stadt zu schlendern. Mit den älteren Mädchen aus dem Waisenhaus verstehen wir uns sehr gut, und bei schönem Wetter gehen wir regelmäßig gemeinsam in die Stadt. Es kommt aber leider auch immer wieder vor, trotz der strengen Sicherheitsvorkehrungen, dass jüngere Kinder weglaufen. Das führt immer zu chaotischen Situationen.

Im Januar feierten wir außerdem – so gut es ging – die Geburtstage von Nele und Sophie. Wir feierten im sehr kleinen Kreis hinein, und Monika und Martin (das Pastorenehepaar) luden zum Essen ein und machten es auf diese Weise festlich. Auch Niclas hatte zum Geschenk für uns alle gekocht und zu sich eingeladen, das war total nett.

Weiterhin haben wir online Griechischunterricht, und die Termine bei unserer Psychologin Helga finden auch regelmäßig statt. Ihr erzählen wir, was wir mit den Kindern im Agios Andreas machen, und sie hat viele tolle Ideen, wie wir die Kinder weiter fördern können. Besonders schön ist es dann, wenn wir die Ideen umsetzen konnten und ihr von den erwirkten Fortschritten berichten.   

Im Agios Andreas haben wir den Raum von Costa neu gestaltet, in dem wir auf die blaue Wand – durch von mir kreierte Schablonen – Meerestiere sprühten. Als wir den Jungen in das Zimmer führten, war er ganz begeistert und betastete die Wand.

An einem Sonntag organisierte Rose eine Stadtführung für uns, das war super. Die Geschichte von Rhodos ist sehr bewegt und es ist beeindruckend, dass es in der Stadt aus so vielen Epochen etwas zu sehen gibt!

Außerdem hat eine ehemalige deutsche Freiwillige den Kontakt zu einer sehr netten Familie hergestellt, die selbst Verbindungen ins Agios hat. Ohne, dass wir diese weiter kennen, wurden wir zum Essen eingeladen und mit ganz viel Herzlichkeit und Unmengen an Essen und Trinken überschüttet  – die griechische Gastfreundlichkeit ist wirklich großartig!

Es ist natürlich unglaublich schwer, in Corona-Zeiten Menschen kennen zu lernen, und so war das für uns eine besonders schöne Abwechslung.

Nun ist der Januar längst vorbei, wir sind schon mitten im Februar, aber nach der Arbeit im Agios Andreas bin ich immer sehr erschöpft. Wenn dann nichts ansteht, bin ich froh, einfach mal kein Programm sondern ein bisschen Ruhe zu haben. Ich mag dann weder schreiben noch telefonieren. Insofern verzeiht es mir bitte, dass dieser Blog so spät erscheint! Der nächste Blog ist dann hoffentlich wieder etwas pünktlicher…

Februar

Vom 08. bis 12.02 arbeitete ich im Waisenhaus. Dort ist in der Regel wenig zu tun, da die meisten Freizeitaktivitäten der Mädchen wegen Corona nicht stattfinden können. Ich begleite also nur manche Kinder zur Schule, zum Psychologen oder beim Radfahren.

Wenn das Wetter gut ist, gehe ich gerne mit den älteren Mädchen in die Stadt. Auch Nele und Sophie kamen in dieser Woche mit. Die beiden hatten nämlich zwei Tage frei, da die Kinder und das Personal im Behindertenheim Agios Andreas geimpft wurden. Wir selbst haben bis jetzt allerdings kein Anrecht auf eine Impfung.

Im Waisenhaus als unserem “Zuhause” für die 10 Monate fühle ich mich nach wie vor wohl, ein Einzelzimmer werde ich aber voraussichtlich nicht bekommen.

Die Kinder hier lernen wir immer besser kennen und sie wachsen mir sehr ans Herz, auch wenn oder gerade weil sie ihre Päckchen zu tragen haben. Von einigen erfahren wir ihre Geschichten und Schicksale. Diese gehen mir sehr nahe und berühren mich sehr. Wie unvorstellbar ist für mich der Gedanke, dass es keinen Menschen gibt, der mich liebt? Dass ich nichts habe, was mich im und am Leben hält? Genau diese Erfahrung aber mussten die Mädchen hier im Waisenhaus machen. Bevor sie hierherkamen, lebten sie in Armut, nicht wenige haben Misshandlung, Gewalt und Drogenmissbrauch erlebt, wurden verstoßen oder müssen sogar Angst vor ihren eigenen Eltern haben. Sie haben keine Familie, die sie unterstützt, erfahren keine echte Liebe und haben kaum Perspektiven. Wenn sie mir davon erzählen, frage ich mich oft, wie ein Mensch das ertragen kann. So ist es zwar nicht überraschend aber trotzdem schrecklich, dass einige bereits Suizidversuche unternommen haben. Bei dem Lärm, lautem Lachen, Herumgerenne und Geschrei könnte man manchmal fast vergessen, dass dieses Haus so viel Traurigkeit und Depression beherbergt. Mich belasten diese Geschichten zwar sehr- aber sie erinnern mich auch immer wieder daran, wie unendlich dankbar ich sein kann und muss. Dankbar für die Liebe und Unterstützung, die ich von meiner Familie und Freunden bekomme, und für die vielen Chancen die ich in meinem Leben habe. Und ich möchte Euch an dieser Stelle sagen: Denkt häufiger daran, wie gut es Euch geht!

Ein Mädchen begleite ich zu Fuß zur Berufsschule, einfach weil wir uns gut verstehen, nicht, weil sie noch Begleitung bräuchte. Dort habe ich schon einige ihrer Freunde kennengelernt, und ich finde es immer wieder toll, Einblicke in den Alltag der Jugendlichen hier in Griechenland zu bekommen. Vor der Schule sitzen alle noch am Tisch, rauchen, erzählen, rufen sich über das Gelände zu, trinken ihren Frappé – und wenn die Schulklingel ohrenbetäubend ertönt, regt sich gar nichts. Auch beim zweiten Mal nicht. Wenn der Lehrer dann viel zu spät auf seinem Roller auf das Gelände fährt, wird selbstverständlich noch ganz in Ruhe zu Ende geraucht/ getrunken/ erzählt, bevor die Schüler dann endlich in das total heruntergekommene Gebäude schlendern. Wenn ich da so an meine Schulzeit in Deutschland denke.. uff! (und ich fand uns schon nicht so besonders diszipliniert!)

In den letzten beiden Februarwochen arbeitete ich dann wieder im Agios Andreas, dem Heim für behinderte Kinder. So langsam kehrt der Frühling ein, so dass wir zunehmend Zeit draußen verbringen können. Das ist für uns und die Kinder immer sehr schön. Wir schaukeln, setzen uns auf eine Decke ins Gras oder gehen einfach ein bisschen auf dem Gelände spazieren. 

Mit Emilia habe ich besonders viel Zeit verbracht. Wir trainieren mit ihr weiterhin das Laufen, das eigenständige Essen und fördern ihre Sprache. Ihr Lieblingswort ist “Bu” oder “Bubu”. Das ist ein Fortschritt und so süß, wenn sie das sagt! Mit einfachen Gesten kann sie sich jetzt ein wenig verständigen. Wenn sie beide Hände ausstreckt möchte sie aufstehen, bzw. benötigt Hilfe beim Gehen. Wenn ich sie frage, ob sie schaukeln möchte und ihr dafür meine Hand anbiete, kann sie ablehnen oder einwilligen. Das allein gibt ihr ein bisschen Entscheidungsfreiheit über ihren Körper und über eine mögliche Aktivität. Das hatte sie vorher nie. Wenn sie ihre Hand nach etwas ausstreckt, möchte sie die jeweilige Sache. Meine Hand nimmt sie oft und möchte, dass ich für sie klatsche. Am liebsten die ganze Zeit und zu Musik, in die Hände oder auf die Oberschenkel – ganz egal. Wenn ich dann irgendwann schon nichts mehr spüren kann vom ganzen Klatschen und eine Pause mache kommt: “Bubu?” Und wenn ich dann wieder klatsche und sie anfängt zu lachen, dann vergesse ich meine tauben Hände ganz schnell wieder. Auch Costa macht Fortschritte. Er spuckt seltener und kann jetzt, wenn er etwas nicht möchte, dies durch Laute (“a-a”) ausdrücken.

Wie viel Einfluss wir auf das Leben der behinderten Kinder haben, ist mir nicht von Anfang an klar gewesen. Wenn wir nicht mit ihnen nach draußen gehen, macht es an diesem Tag vielleicht niemand. Sie freuen sich so über Zuneigung, Körperkontakt und die Beschäftigung. 

Die Psychologin Helga gibt uns immer neue Ideen, wie wir die Kinder weiter fördern können, und freut sich mit uns über die Fortschritte der Kinder. Ich selbst merke, wie sehr ich mich an die Kinder gewöhnt und sie ins Herz geschlossen habe. Ich spüre auch umgekehrt, dass die Kinder eine Bindung zu uns entwickelt haben, uns mögen und uns vertrauen. Ihre Freude ist so offensichtlich und unverstellt, das ist richtig schön!

An zwei Sonntagen waren wir außerdem wieder bei Martin und Monika in der Gemeinde zum Essen eingeladen, was jedes Mal sehr lecker und unterhaltsam ist. Den Valentinstag verbrachten wir bei der Familie, die wir durch eine ehemalige Deutsche kennengelernt haben, und bei der wir bereits im Januar einmal eingeladen waren. Auch das war eine schöne Abwechslung!

Martin, Nele, Aliki, Sophie, Niklas, Rose

Die Zahl der Corona-Infektionen steigt leider auf Rhodos an, so dass wir erneut härtere Maßnahmen befürchten müssen. Es ist besonders schade, da die Saison bald beginnen soll und wir uns gerade über einige Lockerungen gefreut hatten. 

Das war jetzt mein “Halbzeit-Bericht”, es sind tatsächlich schon über 5 Monate vergangen! Mittlerweile fühle ich mich richtig angekommen und freue mich jeden Tag, hier zu sein.

März

Ab dem 04. März begann wegen der steigenden Corona-Fälle wieder ein verschärfter Lockdown, mit einer Ausgangssperre ab 19.00, die Schulen und Läden schlossen wieder, und der Busverkehr wurde kurzzeitig eingestellt. Dieser Lockdown sollte bis zum 16. März andauern. Aufgrunddessen war in meiner Woche im Waisenhaus wenig zu tun. Wir wurden daher gebeten, neben der Begleitung der Kinder, die Pforte zu besetzen. Das hat den positiven Nebeneffekt, dass die anderen beiden Mädchen jetzt nach der Arbeit im Agios Andreas nicht mehr vor verschlossener Tür stehen. Außerdem werden sie mit dem Bus des Waisenhauses gefahren und die Arbeitszeiten sind verkürzt.

Bei der sehr eintönigen Arbeit im Waisenhaus leisteten mir glücklicherweise die Mädchen aus dem Heim Gesellschaft. Sie verbesserten meine Griechischkenntnisse, wir malten Mandalas aus, hörten Musik und spielten Uno. Allerdings kam es auch wieder zu Spannungen mit dem Personal. Am letzten Abend vor dem Lockdown standen wir (nach Ausgangssperre) vor verschlossener Tür, eines der Mädchen aus dem Waisenhaus war verbotenerweise auf unserem Stockwerk, und so mussten wir zu einem Gespräch bei der Präsidentin. Bei diesem Gespräch waren auch die Betreuerinnen dabei, die uns nicht besonders respektvoll behandeln. Generell wurde viel geschrien und wilde Behauptungen aufgestellt. Danach war der Konflikt erst einmal gelöst, es kommt aber immer wieder zu kleineren Auseinandersetzungen mit dem Personal.

Das anschließende Wochenende hatten wir alle gemeinsam frei, da die Kinder im Agios Andreas die zweite Impfung bekamen und im Anschluss auch ein besonderer Feiertag für Rhodos war: das siebzigjährige Jubiläum der Anschließung Rhodos’ an den Rest von Griechenland. An diesem Sonntag fand zudem eine kleine Faschingsparty im Waisenhaus statt. Auch, wenn Griechenland schon 1924 den Gregorianischen Kalender eingeführt hat – das Datum des Osterfestes bestimmt noch der Julianische Kalender. Dadurch wird Ostern meist später als in Deutschland gefeiert, und entsprechend verschieben sich auch die mit Ostern verbundenden Feiertage wie Himmelfahrt und Pfingsten. In diesem Jahr fällt das Osterfest auf den 2. Mai – wir sind also mitten in der Passionszeit. Die Kinder verkleideten sich, wir halfen beim Schminken, und es gab Pizza und Musik in der Eingangshalle des Hauses. Am 15. März startete dann auch die orthodoxe Fastenzeit mit dem “kathara deftera”, dem reinen Montag. Es gab nur “thalassina”, also Meeresfrüchte wie Oktopus, Muscheln und Garnel. en, aber auch Süßigkeiten, Oliven und spezielles Fastenbrot.

Das Wetter wurde so langsam sommerlich, weshalb Niclas an einigen Tagen in die Stadt kam. Wir saßen öfters am Strand, spazierten durch die Stadt und waren einmal sogar in einem Hotelrestaurant essen. Am 25. März liehen wir Mädchen uns wieder ein Auto aus und machten einen größeren Ausflug. Wir hatten frei, da es der griechische Unabhängigkeitstag war. Normalerweise hätte es am Mandraki-Hafen eine große Militärparade gegeben, zumal es sich um das 200. Jubiläum der Befreiung von der türkischen Herrschaft handelte, doch coronabedingt fiel auch dies leider ins Wasser. 

Wir schafften es, einmal die ganze Insel zu umfahren, und machten immer wieder Stopps, um die wunderschöne Landschaft zu bewundern. Die Klippen bei Kallithea, die weiße Stadt Lindos mit der Akropolis und der malerischen Agios Pavlos Bucht, die südliche Spitze und Prassonisi besichtigten wir vor dem Mittagessen. Tatsächlich konnten wir in einem kleinen Ort ganz am anderen Ende der Insel etwas zu essen ergattern und ließen uns von ein paar Griechen auf einen Ouzo einladen. Auf der Rückfahrt hielten wir bei der Ritterburg Monolithos und hatten einen wunderschönen Blick auf die Nachbarinsel Chalki, die wir im Sommer noch besuchen wollen. In der letzten Märzwoche besuchte mich mein Freund Jonas, der von hier aus weiter nach England reiste, wo er jetzt am College studiert.

April

Der April startete mit meinem Geburtstag, der erste ohne meine Familie.

Am Tag davor feierten wir zusammen mit zwei anderen Bewohnerinnen des Waisenhauses hinein. Jonas hatte aus Deutschland einige Pakete zum Auspacken mitgebracht, und ich bekam auch Geschenke von meinen Mitfreiwilligen. Vielen Dank, an alle, die mir etwas geschickt und gratuliert haben! Mein Geburtstag selbst begann dann mit einem Corona-Test, da sich die Köchin im Waisenhaus infiziert hatte. Zum Glück ist aber niemand angesteckt worden!

Nele, Niclas und Sophie ließen mich dann allein im Waisenhaus zurück, um eine Überraschung vorzubereiten. In der Zeit verteilte ich in der Küche von meiner Torte, und die Kinder sangen für mich in englisch und griechisch Geburtstagslieder. Das war total niedlich. Außerdem malten und bastelten sie etwas für mich, ich bekam einen Stift und ein Kuscheltier geschenkt, und die beiden älteren Mädchen schenkten mir Schmuck und Schokolade. Das hat mich sehr gerührt.

Mit einem Mädchen ging ich dann noch in der Stadt spazieren, bevor Nele mich mit einem Auto abholte und wir losfuhren, ohne dass sie mir sagte, wohin es gehen würde.

Wir hatten tolles, warmes Geburtstagswetter und parkten schließlich an einem Strand. Nach einem kurzen Fußweg erwarteten mich Sophie und Niclas mit einem wunderbaren Picknick. Wir aßen, spielten Kartenspiele, genossen die Aussicht und redeten viel, bis es dunkel wurde. Dann kamen noch die beiden Fahrer des Waisenhauses dazu, entzündeten ein Feuer und es wurde gegrillt. Abschließend fuhren wir zu Rose nach Ialysos und tranken noch einen Absacker, bevor wir schlafen gingen. Das war eine wirklich tolle Überraschung und ein super Geburtstag! Es ist wirklich schön, dass die anderen sich so viel Mühe gegeben haben, diesen Tag so besonders zu machen!

Am nächsten Tag flog Sophie dann für eine Woche nach Deutschland. Nele und ich gingen in die Altstadt, wo sie mich – ebenfalls zum Geburtstag – auf eine Übernachtung in eine kleine Pension einlud. Das war richtig schön. Am nächsten Morgen tranken wir mit dem Besitzer noch einen Kaffee. Am Wochenende feierten wir auch nochmal in der Gemeinde mit Rose, Monika und Martin meinen Geburtstag. Monika hatte eine großartige Erdbeertorte gebacken.

Am 10. April wurde eines der Waisenmädchen 18, was wir ebenfalls ausgiebig feierten. Wir unternahmen mit ihr einen Ausflug über die Insel und machten ein Picknick an der Anthony Quinn Bucht. Wenige Tage später zog sie aus dem Waisenhaus aus. Der Abschied fiel uns und besonders ihrer engsten Freundin sehr schwer, da wir sie sehr ins Herz geschlossen und viel Zeit mit ihr verbracht haben. Wenn die Kinder 18 werden, müssen sie das Haus verlassen, wenn sie nicht noch in einer Ausbildung (Schule, Studium etc.) sind. Das ist oft nicht einfach, da sich natürlich die Frage stellt, wohin es gehen wird. Meist kommen die Kinder zu anderen Verwandten oder in andere Einrichtungen. Auch psychisch ist das für die Kinder oft belastend. Bei vielen Kindern ist es unklar, wo sie aufgenommen werden und was sie machen. Im Waisenhaus sind sie abgeschirmt und eher unselbständig. Wenn sie die Einrichtung verlassen, stürzen viele oft erst ab.  

An einem Wochenende grillten wir mit den beiden Fahrern bei Rose in Ialysos. Außerdem fingen Niclas und ich an, uns an den Wochenenden regelmäßig zum Sport in einem nahegelegenen Outdoor-Sportpark zu treffen. Zum Glück ist das Wetter inzwischen richtig schön und frühlingshaft geworden, und man kann auch schon mal am Strand sitzen oder baden gehen.

Weil es mir auf Rhodos so gut gefällt und mir die Arbeit großen Spaß macht, habe ich mich übrigens entschlossen, meinen Freiwilligendienst bis Ende August zu verlängern.

Der April endete mit dem “Megali Paraskevi”, dem orthodoxen Karfreitag. Es ist das erste Mal, dass ich Ostern in Griechenland erlebe. Darüber dann mehr in meinem nächsten Blog, in dem ich dann hoffentlich auch über weitere Highlights berichten kann, denn ab Mai sind etliche Lockerungen bezüglich der Öffnungen, der Ausgangssperre und des Reisens etc. geplant, so dass wieder ein Stück Normalität einkehren kann!

Mai

Am Montag, dem 3. Mai, wurden die Covid-Maßnahmen endlich gelockert. Jetzt kann man wieder ohne Termin in alle Geschäfte; Bars und Tavernen dürfen wieder regulär öffnen, es gibt keine Ausgangssperre mehr, nur die generelle Maskenpflicht bleibt bestehen. Was für eine Erleichterung! Noch am selben Tag machten wir einen großen Ausflug mit den Kindern aus dem Waisenhaus in ein winziges Dorf namens Arnitha und dem dazugehörigen ehemaligen Kloster Filimon. Dort grillten wir, spielten mit den Kindern und genossen die Natur. Das war sehr schön.Auch in den folgenden Tagen gingen wir oft in Bars und Restaurants und freuten uns über die wiedergewonnene “Freiheit”.

Das Wetter war sehr gut und wir verbrachten viel Zeit am Meer und besuchten auch andere Strände. An einem Tag fuhren wir hoch zum Berg Filerimos, auf dessen Plateau sich die Ruinen und die Akropolis der antiken Stadt Ialysos befinden. Außerdem gibt es ein heute unbewohntes Kloster, ein großes Kreuz und freilaufende Pfauen.

Im Agios Andreas fühle ich mich zur Zeit besonders wohl, und wenn ich länger nicht da war, vermisse ich die Kinder sehr. Außerdem gibt es jetzt – Dank Roses Verein, der dankenswerter Weise noch einmal großzügig vom Freun-deskreis Elliniko unterstützt wurde – für die drei Kleinen wöchentlich eine Pfer-detherapie, das ist soo super!!! Die Thera-peutin Amalia geht toll mit den Kindern um, und man kann ganz schnell Fortschritte beobachten. Allerdings hat auch sie gleich gemerkt, dass die Kinder eigentlich schon viel mehr können sollten oder zumindest könnten, wenn man sie kontinuierlich und intensiv gefördert hätte. 

Die anderen Sozialarbeiterinnen haben das Behindertenheim verlassen, da ihre Verträge ausgelaufen sind. Ob und wann neues Personal kommt, weiß ich nicht. Deshalb sind wir zur Zeit stark unterbesetzt. Als dann Niclas auch noch für eine Woche in Deutschland war, und Sophie zur selben Zeit hier Ferien mit ihrer Familie machte, war ich bzw. Nele allein mit ein oder zwei Krankenpfleger*innen für die ca. 20 Kinder. Die Pfleger wechseln die Windeln der Kinder und wir füttern die Kinder gemeinsam, aber zur anderweitigen Beschäftigung gibt es derzeit nur uns! Wenn wir die Kinder nicht mit nach draußen nehmen, macht es niemand mehr. Es motiviert mich zwar, aber setzt mich vor allem auch unter Stress und Druck. Denn natürlich kann ich nicht alle Kinder mit hinaus nehmen, und es wird dann eher zu einem “Abarbeiten”. Auch die Kinder leiden natürlich darunter und oft sind sie quengelig. Als wir wieder zu dritt im Agios waren, war es schon sehr viel angenehmer und einfacher.

An einem Tag mieteten Nele und ich uns ein Auto und fuhren nach Lindos. Dort gingen wir baden und tranken Kaffee in der wunderschönen türkisblauen Agios Pavlos Bucht.

Ich bin leider ein bisschen spät dran mit diesem Blog, da wir eine kleine Reise gemacht haben. Darüber dann mehr im nächsten Blog!

Bis dahin wünsche ich Euch alles Gute!

___________________Fortsetzung folgt____________________________________________________________________

Hallo ihr Lieben!

Wir sind die neuen Freiwilligen auf dem wunderschönen Rhodos und würden euch gerne von uns und unseren Anfängen im DJIA berichten. Unsere Gruppe, also Nele aus Oldenburg, Aliki aus Hamburg, Sophie aus Renningen bei Stuttgart und natürlich Niclas aus Burbach bei Siegen, wurde  leider von Anfang an coronabedingt von einer Turbulenz in die Nächste gewirbelt.

Frisch nach dem Abitur, beziehungsweise der Ausbildung waren wir natürlich sehr glücklich, unser  Auslandsjahr beinah normal antreten zu können. Natürlich waren wir von der Schönheit Rhodos‘, unserer tollen Sprachlehrerin, dem zentral liegenden Waisenhaus und den ersten beiden „freien“ Wochen durch unsere Quarantäne richtig begeistert, doch nicht alles ist so gelaufen wie es hätte laufen sollen.

In den ersten Tagen, in denen wir ziemlich plötzlich gemeinsam bei unserer Ansprechpartnerin, Wochenend-Hotelière, Gelegenheits-Chauffeurin und Ruf-mich-einfach-an Rose gelebt haben, da wir für das Waisenhaus einen negativen Corona Test brauchten, haben wir erfahren wie schön es sein kann, zu viert unsere Zeit zu verbringen. Als es dann hieß, Niclas könne doch nicht mit uns in Rhodos Stadt leben, war das für unsere Gemeinschaft ein Schock und wir finden die Situation vor allem für Niclas, der allein lebt, ziemlich ungeschickt und schade. Auch unsere Probleme mit vor allem den Öffnungszeiten des Waisenhauses, wegen denen wir manchmal den ganzen Mittag drinnen sitzen, oder abends trotz ausgemachter Zeit stundenlang warten mussten, haben unsere Eingewöhnung nicht unbedingt vereinfacht. Wir sind sehr dankbar für all die Menschen, die uns bei diesem Thema unterstützt und geholfen haben, inzwischen hat sich vieles verbessert und wir fühlen uns auch deutlich willkommener.

Trotz all dieser Dinge erkundeten wir vor allem in den ersten beiden Wochen gemeinsam die Insel. Badeausflüge, ein Glas Wein in der Strandbar, Spaziergänge durch die wunderschöne Altstadt und unsere Inselrundfahrten mit Rose, unter anderem nach Lindos, haben diese Zeit unvergesslich gemacht. Auch von der Gemeinde fühlen wir uns freundlich willkommen geheißen. Wir genießen jetzt schon den gemütlichen Kaffee nach der Kirche genauso wie den Triti-Treff, zu dem wir sehr gerne kommen und von dem leckeren Frühstück sowie den deutschen Unterhaltungen begeistert sind.

Auch bei der Arbeit werden wir so langsam angenommen und auch selbst sicherer. Genauso wenig wie Niclas im Waisenhaus wohnen darf, darf er auch dort arbeiten, deshalb wechseln wir Mädchen uns dort regelmäßig ab. Wir begleiten die Kinder mit dem Bus zu ihren Freizeitaktivitäten, geben in unserer Freizeit auch Nachhilfe in Deutsch und Französisch und genießen den dort eher entspannteren Tagesablauf.

Wenn wir in Agios Andreas sind, funktioniert das mit der Ruhe nämlich nicht so gut. Zu Anfang waren wir vor allem mit drei kleineren Bewohnern unterwegs, die unheimlich gerne draußen sind und jede Minuten mit Spielen und Herumrennen verbringen. Also bestimmen stundenlanges Schaukeln, die Suche nach jedem Tropfen Wasser, der Erde in tollen Matsch verwandelt, und Gehübungen an der frischen Luft unseren Arbeitstag. Wenn wir mit den Kindern essen und sie ohne andere Aufsicht betreuen, merken wir, dass die Kinder viel mehr können als uns gesagt wurde und wir sind sehr glücklich, sie quasi ‚im Geheimen‘ fördern zu können.

Im großen Ganzen sind wir inzwischen gut angekommen, haben uns eingelebt und fühlen uns sehr wohl. Die Arbeit macht uns Spaß und vor allem im Agios Andreas haben wir das Gefühl wirklich etwas bewirken zu können. Jedes Lachen und freudiges Kreischen ist Lohn für unser Tun.

Auch unsere wachsenden Griechisch Kenntnisse sind sehr förderlich und durch die angehende Winterzeit bieten sich uns ganz neue Einblicke in das Leben auf der Insel.

Vielen Dank für die Förderung unseres Aufenthaltes, eure Freiwilligen

Sophie, Aliki, Nele und Niclas

Aliki auf Rhodos

Unter diesem Titel veröffrentlicht Aliki, eine Freiwillige des Jahrganges 2020/21, einen Blog über ihre Arbeit und ihre Eindrücke, dazu viele Fotos. Hier ist der Link dazu:

https://alikirhodos.blogspot.com

Aliki hat uns erlaubt, wichtige Texte aus dem Bolg auch auf unserer Website zu veröffentlichen. So erhaltet Ihr, erhalten Sie, einen lebendigen, authentischen Eindruck von der Arbeit unserer Freiwilligen auf Rhodos.

Vorwort

Liebe Freunde, liebe Familie, liebe Unterstützer, 

ich bin gut auf Rhodos angekommen und fühle mich hier sehr wohl. 
Zusammen mit meinen Mitfreiwilligen Nele aus Oldenburg, Sophie aus Renningen bei Stuttgart und Niclas aus Siegen in NRW bin ich in zwei Einsatzstellen tätig. Zwei Wochen arbeiten wir in dem Behindertenheim Agios Andreas in der Nähe des Flughafens. Hier betreuen wir hauptsächlich die drei jüngsten Bewohner. Wir helfen bei der Essensausgabe und spielen mit ihnen.
Eine Woche arbeitet dann immer eine von uns in einem Waisenhaus für Mädchen in Rhodos-Stadt. Hier begleiten wir diese zu ihren Nachmittagsaktivitäten. Wir weiblichen Freiwilligen wohnen ebenfalls in diesem Waisenhaus auf einer separaten Etage, Niclas ist das leider verwehrt; er wohnt bei unserer Ansprechperson Rosemarie.
  
An unseren freien Tagen erkunden wir die Insel und machen Ausflüge, verbringen Zeit am Strand, in der historischen Altstadt und in Museen. 
Es ist so schön hier! Vielen Dank, dass Ihr mir diesen Aufenthalt ermöglicht. 💙
 
Was bis jetzt geschah, könnt Ihr bei Interesse in diesem Blog erfahren. Ich werde hier regelmäßig Updates verfassen.

Ankunft auf Rhodos (Sept 2020)

Am 16.09 wurde ich in Rhodos am Flughafen bereits erwartet. Rosemarie stand am Arrival und hieß mich herzlich Willkommen auf der größten Insel der Dodekanes. Rose ist hier auf Rhodos für uns zuständig und gibt sich ganz viel Mühe, uns hier eine tolle Zeit zu bereiten. Durch ihren griechischen Mann ist sie hier auf die Insel gekommen und hat die “Stiftung zur Förderung des Agios Andreas” gegründet. Das “Agios Andreas” ist ein Heim für Menschen mit Behinderungen und mein gegenwärtiger Arbeitsplatz. 

Sie fuhr mich zum Waisenhaus in Rhodos-Stadt, in dem ich wohnen sollte. Schnell wurde aber klar, dass das ohne negativen Covid-Test nicht möglich wäre. So konnte ich nur 20 Minuten nach meiner Ankunft wieder den Koffer packen, und wir wurden bei Rose untergebracht, die mit uns für den Test ins Krankenhaus fuhr. “Wir” das sind meine Mitfreiwilligen Nele, Sophie und Niclas. Am Abend machten wir noch Bekanntschaft mit der Evangelischen Kirche deutscher Sprache von Rhodos. Diese zahlt uns teils das Taschengeld und unterstützt uns bei allen Anliegen.

Da wir nun also erstmal –  unabhängig vom Testergebnis – für 10 Tage  in Quarantäne gehen sollten, nutzen wir die Zeit zum Sightseeing. Da Sophie leider krank wurde (kein Corona!) mussten wir die ersten Erkundungsgänge ohne sie machen. Wir gingen durch den Wallgraben des Großmeisterpalasts, an der Stadtmauer entlang und durch die historische Altstadt mit ihren vielen schönen Gassen.

Nachdem wir am nächsten Tag das negative Corona-Ergebnis erhalten hatten, durften wir wieder zurück in das Waisenheim ziehen. Wir erhielten aber auch die Nachricht, dass Niclas dort nicht wohnen dürfe. Zwar hatte die Heimleitung ihr “ok” gegeben, doch im Heim sind keine Jungen erlaubt, wie die zuständige Behörde in Athen ihre Ablehnung begründete. Zu groß sei die Gefahr, dass die Mädchen ihm ein Delikt anhängen könnten. Niclas wohnt nun also bei Rose im nächsten Ort und somit 20 Minuten mit dem Bus entfernt. Das ist für keinen Beteiligten eine optimale Lösung und natürlich sehr schade für unsere Gemeinschaft.

Diese ersten Tage waren sehr chaotisch und ich hatte nicht die Chance, richtig anzukommen.

Unser Zimmer im Waisenheim teilen wir zu dritt. Es hat eine große Dachterrasse mit traumhafter Aussicht auf die Stadt und ist sehr zentral gelegen. In unserem Stockwerk sind eigentlich noch freie Zimmer für Studentinnen, im Moment sind wir aber ganz alleine hier. Wir teilen Bäder mit drei Toiletten und mit drei Duschen, sowie eine Küchenzeile mit Waschmaschine und Kühlschrank aber ohne Herd, Ofen oder Wasseranschluss für die Waschbecken…

Um die Quarantäne vollständig auszunutzen, besuchten wir jeden Morgen zwei Stunden einen Griechischkurs bei Xaris, die eigentlich Deutsch unterrichtet. Sie ist eine wirklich tolle Lehrerin, und obwohl der Kurs für mich oft Wiederholung war, machte es Spaß.

Im Waisenhaus fühlten wir uns zunächst wenig willkommen. Wir hatten keine Ansprechperson und viele offene Fragen. Wir wurden nie gegrüßt und eher ignoriert. Wir bekommen hier täglich drei Mahlzeiten, die wir wegen Corona oben auf unserem Zimmer einnehmen sollten. Das Waisenhaus ähnelt einem Hochsicherheitstrakt mit dreifach verriegelter Tür und vergitterten Fenstern. Man muss sich an strenge Ein- und Ausgangszeiten halten.

Einmal kamen wir 20 Minuten lang nicht aus dem Haus, da alles verschlossen war und wir keine Aufsichtsperson fanden. Und als wir einmal 5 Minuten nach Schließung der Türen am Waisenhaus ankamen, mussten wir fast eine Stunde draußen warten.

Wir waren sehr unzufrieden mit diesen Regelungen, über die uns außerdem auch nie jemand unterrichtet hatte. 

Deswegen hatten wir bald ein Gespräch mit einem Vertreter des Waisenhaus, der alles auf Corona und die Verwaltung in Athen schob. Wir fertigten dennoch ein Schreiben mit unseren Anliegen an, ließen es von Xaris übersetzen und legten es der Leitung des Heims vor. Nach einem Gespräch mit dieser hat sich vieles positiv verändert. Sie nannte uns Ansprechpersonen und gab uns Telefonnummern, verlängerte die Ausgehzeit bis 23.00 und gab uns einen Zimmerschlüssel. Da die Quarantäne vorbei ist, dürfen wir jetzt auch unten essen.

Der Gemeinde wurden wir im Gottesdienst am 27.09 vorgestellt. Ich freute mich sehr darüber, dass mein Freund Jonas mit seiner Familie, die gerade Urlaub auf Rhodos machten, daran teilnahm. In den folgenden Tagen unternahm ich mit den Krogmanns viele schöne Ausflüge und konnte mich so langsam eingewöhnen. Der Monat September endete für mich mit viel Vorfreude auf alles was kommen sollte…

Waisenhaus in Rhodos
Die Mitfreiwilligen

Oktober

Am 01.10. begann die Arbeit im Behindertenheim Agios Andreas. Wir fahren morgens immer mit dem Bus zur Einsatzstelle, Niclas steigt dazu. Dort angekommen, wurden uns die Räumlichkeiten gezeigt und Bewohner und Mitarbeiter vorgestellt. Die Einsatzstelle beheimatet ca. 20 Bewohner mit verschiedenen Behinderungen. Deshalb haben auch alle verschiedene Fähigkeiten: einige können nur liegen, manche sitzen im Rollstuhl, andere können sich frei bewegen, sprechen oder selbständig essen. Leider wird wenig auf die Behinderten eingegangen, es gibt kein individuelles Programm und wenig Förderung von Stärken (z.B. keine Behinderten-Werkstätten o.Ä.) 

In den folgenden Tagen unterstützten wir die Pflegekräfte bei der Arbeit und kümmerten uns um die uns zugewiesenen Kinder. 

Das erste Wochenende nutzten Nele und ich, um die Insel zu erkunden. Wir fuhren mit einem Mietwagen zu der bekannten Anthony Quinn Bucht, die besonders zum Schnorcheln interessant ist. Dann ging es auf die Inselmitte, in das Schmetterlingstal “Petaloudes”. Allerdings waren nur noch wenige Schmetterlinge der Art “Russischer Bär” da. Diese kommen nämlich Mitte Juni und bleiben nur bis Ende September. Sie werden von dem Harzgeruch des Amberbaums angelockt, der dort wächst. Aber allein der Natur wegen hat sich der Ausflug gelohnt. Danach fuhren wir ohne konkretes Ziel die Landstraßen entlang und stoppten immer, wenn wir etwas Interessantes entdeckten. Wir begegneten Hirschen und durchquerten dichte Wälder sowie durch steppenartige Landschaften. Es ist wirklich toll, wie abwechslungsreich die Flora und Fauna von Rhodos ist! Den Sonnenuntergang bestaunten wir dann auf dem Rückweg am Kallithea Strand.

Am Montag den 05.10. bot ich an, die erste Woche im Waisenhaus zu arbeiten, während die anderen drei im Agios Andreas sein würden. 

Wie bereits im Vorwort erwähnt, begleiten wir im Waisenhaus die Mädchen zu ihren Nachmittagsaktivitäten. Morgens erhält man das Programm, holt dann ca 15 min. vor dem Termin die Kinder am Aufenthaltsraum ab und fährt mit dem Fahrer Vassili und dem Kind zur Nachhilfeschule, zum Basketball oder anderen Verabredungen und Terminen und holt sie später wieder ab. Diese Aufgabe ist, wie Ihr Euch denken könnt, sehr eintönig. Mir ist aber auch bewusst, dass die Kinder ohne diese Begleitperson nicht am “sozialen Leben” teilnehmen könnten. Es ist nämlich gesetzlich vorgeschrieben, dass Kinder in staatlicher Obhut von mindestens zwei Personen begleitet werden müssen. Die Freizeit zwischen den Terminen in dieser Woche nutzte ich, um mich mit Mama und Papa zu treffen, die vom 05.-11. Oktober zu Besuch waren. Ich zeigte ihnen meine liebsten Cafés, wir schlenderten durch die Altstadt und gingen abends wunderbar essen.

Am Samstag machte ich mit ihnen einen Tagesausflug. Mit einem Mietwagen fuhren wir nach Kamiros; eine Stadt die zweifach von Erdbeben heimgesucht -(zuletzt 139 n.Chr.) und schließlich nicht wieder aufgebaut wurde. Danach ging es weiter zur Burgruine Kritinia, von der man einen atemberaubenden Blick auf umliegende Inseln wie Chalki hat. Die Burg wurde 1472 von den Kreuzrittern erbaut und gilt als eine der besterhaltenen Burgen in der Region. Weniger gut erhalten ist die 1476 erbaute Johanniterburg Monolithos, die wir im Anschluss besichtigten. Aber auch hier hat man eine einzigartige Aussicht. Im etwas weiter im Landesinneren gelegenen Dorf Monolithos aßen wir in einer gemütlichen Taverne, bevor wir das südliche Ende der Insel, genannt Prassonissi, erreichten. Diese Spitze ist bekannt als das Paradies für Kite- und Windsurfer. Die bunten Schirme und Drachen sehen wirklich toll vor dem strahlend blauen Himmel aus. Fotos seht ihr unten. Zum Abschluss badeten wir in einer kleinen ruhigen Bucht an der Ostküste. Es war ein schöner Tag! Zurück am Waisenhaus musste ich meine Eltern dann verabschieden, denn am nächsten Tag flogen sie zurück nach Hamburg. Eigentlich sind sie ja doch ganz nett 🙂

Am Sonntag folgte dann gleich der nächste Ausflug. Sophie, Nele und ich mieteten uns ebenfalls ein Auto und besuchten das 220 m. über dem Meer gelegene Tsambika-Kloster. Hier führen 300 Stufen hoch zu einer “wundersamen Ikone” die beim Kinderwunsch helfen soll. Die Legende besagt, dass Fischer die Ikone am unten gelegenen Strand (andere Quellen behaupten auf einem Baum in Archangelos) fanden und bald feststellen, dass diese aus Zypern verschwunden war. Mehrmals wurde die Ikone dorthin zurückgebracht, aber tauchte immer wieder am Tsambika-Strand auf. Die Ikone soll zu den Fischern gesagt haben, sie mögen ihr auf dem Berg eine Kirche bauen. Die kinderlosen Frauen, die dabei halfen, wurden später- wie durch ein Wunder- schwanger.

Frauen, die sich ein Kind wünschen, gehen seither diese Stufen auf Knien hoch. Sie legen ein Gelübde ab: Wenn sie tatsächlich schwanger werden, nennen sie ihre Kinder “Tsambika” oder “Tsambikos”. Und es scheint zu funktionieren: Hier im Waisenhaus und auch im Agios Andreas heißen Betreuerinnen Tsambika! Nach diesem körperlich anstrengenden “Kulturprogramm” legten wir uns an die Tsambika-Bucht und genossen die Sonne und das türkise Meer.

Der letzte Stopp war dann noch einmal Prassonissi. Sophie und Nele kannten das ja noch nicht, und mir machte ein zweiter Besuch nichts aus. Im Hochsommer kann man über eine Sandbank auf die gegenüberliegende Halbinsel gehen. Das war an diesem Tag aber nicht der Fall, das Wasser ging ungefähr bis zum Bauchnabel. Während die Mädchen den Übergang wagten, passte ich offiziell “auf die Wertsachen auf” las dabei und trank einen Eiscafé am Strand.

Das Wochenende haben wir also voll ausgenutzt!

Am Dienstag arbeitete ich dann mit Nele und Niclas im Agios Andreas. Hier sind wir hauptsächlich für drei Kinder zuständig. Zum Schutz der Kinder muss ich diese hier umbenennen. 

  • Rosa ist acht Jahre alt, und ihr fehlen Wirbel und Armknochen. Sie spricht nicht, kann aber alleine essen und ist sehr selbstbestimmt. Sie liebt es zu schaukeln und mit Tannennadeln, Fäden oder Erde zu spielen.
  • Emilia ist 14 Jahre alt, hat Spasmen in den Bewegungen und kann nur beschränkt gehen und stehen, sitzt also die meiste Zeit im Rollstuhl. Sie lacht sehr viel. Wenn ihr etwas nicht gefällt, haut und beißt sie. Sie braucht Unterstützung beim Essen. Emilia und Rosa teilen sich ein Zimmer.
  • Costa ist ebenfalls acht Jahre alt und Autist. Bei emotionaler Aufregung übergibt er sich. Er ist sehr aufmerksam und liebt es, Sachen auseinander zu bauen (kaputt zu machen). Er ist nicht gerne mit vielen Menschen zusammen und braucht immer eine Rückzugsmöglichkeit. Er kann drei Wörter: “auf” und “zu” sowie “komm” auf griechisch und gibt auch sonst Laute von sich.

Die Mitarbeiter sind freundlich, manche allerdings wenig engagiert. Es kommt vor, dass die Bewohner ein oder zwei Tage ihre Zimmer nicht verlassen. Ebenso passiert es, dass die Kinder manchmal einfach nicht frisch gewickelt werden. Die Zimmer gleichen teilweise Zellen, in denen nur eine Matratze liegt. Sonst nichts… Der Standard ist also ziemlich einfach.

In dieser ersten Zeit sollten wir die Kinder immer mit einer anderen Aufsicht aus dem Zimmer nehmen. Dann setzten wir uns draußen hin, spielten mit Baukästen, dem Ball, schaukelten oder wippten und schoben Emilia und andere im Rollstuhl über das Gelände.

Am Sonntag, dem 18.10., besuchte ich dann mit Sophie den Großmeisterpalast, der Ausstellungen über die Byzantine und das Antike Griechenland sowie über Mosaike von Kos beherbergt.

Wir gingen über die original erhaltene Ritterstraße in die Altstadt und kamen irgendwann wieder am Mandraki Hafen an, wo wir mit Niclas Kaffee tranken. Auf den Felsen am alten Leuchtturm genossen wir dann die letzten Sonnenstrahlen, bis wir uns auf den Weg in die Gemeinde machten. Dort sind wir nämlich jeden Sonntag von dem Pastorenehepaar zum Essen eingeladen, Rose kommt auch dazu. Das ist immer eine nette Runde, und ich bin sehr dankbar dafür. 

Da wir im Agios Andreas von Dienstag bis Samstag arbeiten, nutzten wir auch unseren freien Montag, um die Stadt weiter zu erkunden. Sophie und ich gingen auf die Stadtmauer und besichtigten zusammen mit Niclas das Archäologische Museum. Ausgestellt sind Keramiken, diverse Funde und Büsten. Sehenswert ist aber auch das Gebäude und die Anlage. Danach gingen wir, wie immer, Kaffeetrinken. Soweit haben wir die griechische Kultur schon übernommen. Uns wurde es auch nicht langweilig, den Sonnenuntergang am Meer zu bestaunen – die Farben sind einfach soo schön.

Dienstags besuchen wir jetzt regelmäßig das in der Gemeinde stattfindende Frühstück. Die Teilnehmer sind alle sehr nett, und wenn man etwas braucht, ist man hier auch immer an der richtigen Adresse. In Griechenland kennt ja immer jemand jemanden der jemanden kennt.

In der folgenden Woche hatten wir außerdem einen Termin bei unserer Psychologin Helga. Diese Seminare sind Bestandteil unseres Aufenthalts. Wir sprechen viel über uns als Gruppe und vor allem über die Arbeit in den Einsatzstellen, die nicht immer einfach ist. Zu sehen, in welchem Elend Menschen hier leben oder welche Schicksale uns umgeben, ist oft hart. 

Im Agios Andreas wurde uns immer mehr anvertraut, und wir, wie auch die Kinder, gewöhnten uns aneinander. Wir haben alle Spaß an der Arbeit, aber am Abend ist man wirklich erschöpft.

Am 28. wird hier der Ochi-Tag gefeiert. Hintergrund ist die Ablehnung des von Benito Mussolini am 28. Oktober 1940 an Griechenland gestellten Ultimatums vor dem Beginn des Griechisch-Italienischen Krieges. An diesem Tag findet eigentlich auch ein Umzug statt, dieser wurde aber wegen Corona abgesagt. Am Tag regnete es stark und wir mussten feststellen, dass unsere Fenster kein bisschen abdichten. Mit Hilfe von Isoliertape und Papa im Videochat konnte ich das Problem zumindest minimieren. 

Am Donnerstag, dem 30. 10.,wurden wir dann plötzlich von der Arbeit nach Hause geschickt, weil jemand aus dem Waisenhaus positiv auf Corona getestet wurde. Später stellte sich dann heraus, dass es sich eigentlich um den Mann der Köchin handelte (dieser arbeitet hier nicht), aber das Ergebnis der Köchin selbst noch nicht feststand. Also waren wir alle in Quarantäne. Am Nachmittag suchte uns dann noch ein Erdbeben der Stärke 6,9 heim, allerdings habe ich davon nichts gemerkt. Das Epizentrum lag bei Samos, und die Stadt Izmir in der Türkei wurde stark zerstört, es gab leider auch Tote. Am Abend wurde das Haus sterilisiert, und wir sollten für die folgenden Tage allesamt zu Hause bleiben. Mir ging es gesundheitlich nicht gut, und ich vermutete wieder eine Nierenbeckenentzündung. Am Abend suchte ich daher noch einen Urologen auf, der mir ein Antibiotikum verschrieb und angeblich erkannte, dass meine Niere fast “tot” sei. Ausgerechnet an diesem Wochenende stand ein Besuch von Oma Uta an, die zu diesem Zeitpunkt schon gelandet war. Ihr könnt Euch vorstellen, dass das Timing der Geschehnisse nicht gerade optimal war…

Trotz Quarantäne traf ich an den darauffolgenden Tagen meine Oma. So gut es ging, hielten wir Abstand. Wir besichtigten die Nea Agora, den Großmeisterpalast, das Aquarium, den Hafen und die Altstadt und bestellten in einem Restaurant eine Fischplatte, die eher für vier Personen gedacht war. Wir hatten eine tolle Zeit, und ich habe mich sehr über ihren Besuch gefreut. Auch, wenn die Umstände besser hätten sein können!

Der Monat Oktober war unglaublich lang, spannend aber auch anstrengend, und ich freue mich, dass Ihr meine Zeit hier auf Rhodos so interessiert verfolgt. 

Auch, wenn das in den November gehört: Die Köchin wurde negativ getestet und meiner Niere geht es gut, es war eine Fehldiagnose. Mehr dazu dann im nächsten Blog!

Aussichg von der Burg Kritinia
Blick vom Klostergipfel Tsambika

Dezember 09, 2020

Im November setzte ich meine Arztbesuche dann fort. Als die Ergebnisse des Labors vorlagen, war klar, dass es sich um keine Nierenbeckenentzündung handeln konnte. Der Urologe musste somit seine Diagnose zurücknehmen. Ich besuchte in den folgenden Tagen noch einen Arzt für Innere Medizin, einen Kardiologen (weil Rose der Meinung war, er sei ein genereller Experte) und schließlich eine deutschsprachige Frauenärztin, die eine Zyste am Eierstock und Flüssigkeit im Bauchraum feststellen konnte. Ich war sehr erleichtert, endlich zu wissen, was ich hatte, nachdem ich Stunden in den Wartezimmern der Stadt verbracht hatte. Vielen Dank liebe Rose, dass du mich begleitet hast, und danke Euch für Eure zahlreichen Besserungswünsche! 

Mitte des Monats ging es mir dann endlich besser. Die Zyste ist von alleine weggegangen, so dass ich mich keiner OP oder Bauchspiegelung unterziehen musste. Ich war dennoch geschwächt und arbeitete nach der beendeten Quarantäne ab Dienstag, dem 03.11, im Waisenhaus, da hier die Arbeit körperlich deutlich weniger anstrengend ist.

Am Samstag, dem 07.11, hatte in Griechenland der Lockdown begonnen. Das bedeutet, das Verlassen des Hauses  ist nur zur Arbeit, zum Einkaufen, zum Sporttreiben, für Bank-, Arzt- und Apothekenbesuche und um anderen Menschen zu helfen, erlaubt. Das muss dann auf einem Zettel oder per SMS mit Namen, Adresse, Datum, Uhrzeit und Grund festgehalten werden, so dass man es bei einer Polizeikontrolle vorzeigen kann. Generell gilt die Maskenpflicht sowie das Abstandhalten. Supermärkte haben geöffnet, Restaurants und Cafés bieten Lieferdienste und to-go an, alles andere ist geschlossen.

Wir sind sehr froh, dass wir trotz des Lockdowns arbeiten gehen können. Im Behindertenheim Agios Andreas trauen wir uns mittlerweile mehr zu. Wir lernen die Kinder und das Personal immer besser kennen, kennen die Abläufe und Regeln. Bei den Seminaren mit der deutschen Psychologin Helga lernten wir etwas über die Entwicklungsstadien von Kindern und stellten fest, dass Rosa, Emilia und Costa (siehe Blog Oktober) aus dem Behindertenheim “Agios Andreas” teilweise gerade erst die geistigen und körperlichen Fähigkeiten eines Säuglings oder eines Kleinkindes beherrschen. Wir redeten auch darüber, wie wir die Kinder am besten fördern können. So trainieren wir zum Beispiel mit Emilia das Essen und üben das Laufen. Es ist toll, Fortschritte beobachten zu können! Außerdem putzen wir den Kindern die Zähne, ein Projekt, was unsere Vorgänger gestartet haben. Das klappt mal mehr, mal weniger gut. Die Zähne wurden viel zu lange nicht geputzt und sind schief, schwarz, kaputt oder fehlen ganz – dabei sind die Kinder noch so jung! Sie lieben es, eingecremt zu werden, wir schaukeln stundenlang mit den Mädchen, während Costa in der Zeit Tore und Türen öffnet und schließt, wieder öffnet, schließt, daran rüttelt und alles genau inspiziert.

Wir verbringen die meiste Zeit mit den drei Jüngsten, da wir hier noch am meisten Einfluss nehmen können. Wenn wir einem Kind das selbständige Essen beibringen, kann es diese Fähigkeit immer nutzen. Das schafft sehr viel Freiheit.

Mit Rosa spielen wir auf der Wiese oder in der Erde, wobei man aufpassen muss, dass kein Pfleger uns dabei sieht. Das Personal ist übervorsichtig und hat Angst, dass die Kinder sich verletzen könnten. Ist es etwas kühler, müssen dicke Jacken angezogen werden, wenn es geregnet hat, kostet es uns Überredungskunst, die Kinder überhaupt mit ins Freie nehmen zu dürfen, da sie nass werden und sich somit erkälten könnten. Costa darf nicht auf dem Boden sitzen, da er eine Allergie hat, und an Türen und Toren darf er auch nicht gesehen werden, weil man befürchtet, er mache etwas kaputt. Rosa soll den Boden lieber nicht anfassen, da sie sich etwas in den Mund stecken – oder sich beim Wasser nass machen könnte. Damit fehlen den Kindern Erfahrungen, wie es ist, durch einen Regenschauer oder in eine Pfütze zu laufen, aber auch Sinneseindrücke wie Matsch, Sand oder anderes anzufassen, zu fühlen, riechen und vielleicht sogar schmecken zu können. Wir müssen immer abwägen, was den Kindern Spaß bringen und neue Erfahrungen schenken würde, und wo man vielleicht schon die Grenze des Erlaubten überschreitet.  Die Vorsicht ist insofern verständlich und gerechtfertigt, als der griechische Staat seine Angestellten sehr schlecht schützt. Wenn ein Kind erkrankt oder sich verletzt, haftet das Personal, es gibt nur ein schwaches Arbeitsschutzgesetz. 

Positiv möchte ich an dieser Stelle berichten, dass Dank des Fördervereins des Agios Andreas, deren Vorsitzende Rose ist, kürzlich neue Rollstühle sowie ein hydraulisches Bett angeschafft werden konnten. Davon werde ich dann im nächsten Blog Fotos zeigen. Der Verein hat bereits zahlreiche Beschäftigungsmöglichkeiten bereitstellen können und so die Ausstattung des Heims und das Leben der Bewohner sehr bereichert.

Vom 14.-16.11 verbrachten wir das Wochenende bei Rose und Niclas. Nele und ich spazierten durch Ialysos, und Sophie und Niclas wanderten auf den Filerimos-Berg, wo sich die Akropolis der Antiken Stadt Ialysos befand. Am Abend kochten wir zusammen.

In der Woche im Waisenhaus war wegen des Lockdowns wenig zu tun, die Kinder haben Online-Unterricht, und Nachmittagsaktivitäten fallen aus. Nur ein Mädchen besucht weiterhin die Sonderschule, zu der wir sie hinbringen und abholen. Am Wochenende gingen wir nach draußen, um am Strand “Sport” zu machen, und nutzten unseren freien Abend, um mit den Mädchen im Waisenhaus zu spielen. Diese haben alle ganz verschiedene Schicksale, die meisten sind Sozialwaisen. Das bedeutet, dass es zwar Eltern oder Verwandte gibt, diese sich aber nicht kümmern können oder wollen. Die Kinder haben oft Gewalt und Misshandlungen erfahren, oder es gab Drogen- oder Alkoholmissbrauch. Mittlerweile ist das Eis gebrochen und die Mädchen kennen uns. Wir malen mit ihnen, hören Musik oder unterhalten uns, wobei ich mein Griechisch weiter verbessern kann. An zwei Morgen in der Woche haben wir nämlich Online-Griechischunterricht, und an zwei Abenden gebe ich Deutsch- und Sophie Französisch-Nachhilfe hier im Waisenhaus. Das macht mir sehr viel Spaß – und den Mädchen, glaube ich, auch.

Im Behindertenheim Agios Andreas führten wir mit den Krankenschwestern und dem Leiter ein Gespräch, bei dem sie uns bekannt gaben, dass wir nun auch andere Bewohner mit hinaus nehmen dürfen. Sie zeigten uns einen neuen Raum, den wir insbesondere am Abend oder bei schlechtem Wetter nutzen können. Außerdem erklärten sie uns, dass sie im Moment “zu viel” Personal haben. Das hat mich zunächst sehr nachdenklich gemacht, weil ich mich irgendwie nicht richtig benötigt gefühlt habe. Ich möchte mein soziales Jahr nicht einer Sache widmen, bei der ich überflüssig bin. Mittlerweile bin ich aber zu dem Schluss gekommen, dass vielleicht genügend Mitarbeiter da sind, aber nicht alle motiviert, viel Arbeit zu investieren, sich intensiv mit den Kindern zu beschäftigen, sie zu fördern und auf ihre konkreten Bedürfnisse einzugehen. Wenn es schnell gehen muss, werden zum Beispiel Kinder gefüttert, die eigentlich alleine essen könnten, oder Bewohner in Rollstühle gesetzt, obwohl sie eigentlich laufen könnten, nur weil der Gang etwas langsam oder nur mit Hilfe möglich ist, und weil das Personal über einen Rollstuhlfahrer natürlich mehr Kontrolle hat.  

Eine Weihnachtsstimmung kommt, vermutlich wegen des Klimas, nicht richtig auf. Die Weihnachtsbeleuchtung an den Straßen wirkt irgendwie deplatziert. Außerdem macht uns allen der Lockdown zu schaffen. Wir haben kaum noch Freizeitbeschäftigung, und wenn man etwas braucht, wie zum Beispiel eine Regenjacke (wegen des monsunartigen Regens), muss man 2-3 Wochen auf ein Paket aus Deutschland warten. Niclas darf uns im Waisenhaus nicht besuchen, sonntags ist kein Busverkehr, und Rose darf nicht mehrere Menschen im Auto mitnehmen. So ist er noch häufiger alleine als ohnehin schon wegen der Wohnsituation. Wir Mädchen wohnen, arbeiten, schlafen und essen zusammen und gehen uns dementsprechend manchmal sehr auf die Nerven. Das Ein- und Ausgehen im Waisenhaus ist ohnehin wegen der Öffnungszeiten schwierig, und jetzt kommen noch die Corona-Beschränkungen dazu. Am Wochenende mache ich jetzt immer stundenlange Streifzüge durch die Altstadt und an den Hafen, fotografiere viel und merke mir Plätze, Cafés, Bars und Geschäfte, die ich gerne eines Tages nach dem Lockdown besuchen möchte. Uns allen fehlt ein Ausgleich zur Arbeit und zum Zusammensein. Jetzt soll der Lockdown bis zum 07.01.21 (Angaben verändern sich ständig) verlängert werden. Damit sind wir dann bald zwei Monate im Lockdown…

Trotzdem freue ich mich auf den Dezember in dem ein Besuch von Jonas, so wie das Weihnachtsfest hier auf Rhodos ansteht. Mehr dazu dann im nächsten Blog

Auf der Schaukel

Weihnachtsraum Agios Andreas

Die Freiwilligen des Jahrganges 2019/20 für Agios Andreas und das Waisenhaus stellen sich vor

Berichte von Freda

Die Freiwilligen des Jahrganges 2018/2019

von links nach rechts: Emilia, Selen, Pauline, Helena

Hier berichten sie über ihre Arbeit:

Wir sind jetzt fast am Ende unseres Freiwilligendienstes angekommen. Die vergangenen Monate auf Rhodos haben wir sehr genossen, ganz besonders natürlich die gemeinsame Zeit mit unseren Kindern in Agios Andreas. Dabei konnten wir zu unserer aller Freude, auch einige Fortschritte bei unseren Schützlingen feststellen. Ein paar davon wollen wir hier mit euch teilen.

Unsere Kleinste, V., war anfangs noch sehr unsicher, wenn es darum ging, eigenständig zu handeln. So hat sie damals kaum einen Schritt ohne uns an ihrer Hand gemacht und musste sich häufig vergewissern, dass wir noch da sind. Heute rennt sie quer durchs Gelände, immer wissend, dass auf unsere Anwesenheit Verlass ist. Auch ihr Gleichgewichtssinn hat sich um einiges verbessert. Am Meisten freut uns, dass sie inzwischen gut genug kauen kann, um feste Nahrung zu sich zu nehmen.

Unser kleiner Tüftler T. ist nach wie vor an allem Mechanischen interessiert und gewinnt darüber ständig neue Erkenntnisse. Besonders freut uns dabei, dass er immer mehr Wörter ins gemeinsame Spiel einbringt, wie zum Beispiel: „ella“ (komm), „ochi“ (nein), „ena, dio“ (eins, zwei) oder „klisse“ (schließen). Auch seine Gestik zur sonstigen Verständigung ist eindeutiger geworden.

Die Älteste unserer kleinen Bande, E., ist unsere Meisterin im Zähneputzen, niemand sonst macht das so eigenständig wie sie. Anfangs noch sehr misstrauisch und schüchtern, kommt sie nun vollkommen aus sich heraus. Besonders viel Enthusiasmus zeigt sie bei gemeinsamen Klatschspielen. Wenn sie selbstbewusst zu „We will rock you“ mitklatscht zeigt sich vor allem auch ihr stark verbessertes Rhythmusgefühl.

Wir sind sehr traurig, dass unser gemeinsamer Weg mit den Kindern nun bald zu Ende geht, sind jedoch schon sehr gespannt von den nächsten Freiwilligen über die weiteren Fortschritte und Entwicklungen unserer Kinder zu hören.

Helena, Selen, Emilia und Pauline

Rebekka, eine Deutsch-Griechin aus Rhodos

Rebekka arbeitet seit mehr als einem halben Jahr in Agios Andreas. Unser Verein Stirixi hat sie als Halbtageskraft zur Unterstützung des Pflegepersonals zusammen mit dem griechischen Elternverein I Storgi dort angestellt.

Hier ihr Bericht über ihre Arbeit dort:

Meine Arbeit kann ich so beschreiben: Ich passe mich an die Bedürfnisse und die Vorlieben der Kinder an. Mein hauptsächliches Ziel ist es, den Kindern ein Lächeln auf das Gesicht zu zaubern. Wenn ich einmal heraus- gefunden habe, was das Kind zum Lachen bringt, versuche ich immer wieder damit das Kind zum Lachen zu bringen. Es entsteht so eine zwischenmenschliche Beziehung, die mit der Zeit immer tiefer und reifer wird. Ich lerne das Kind immer besser kennen und das Kind öffnet sich mir gegenüber auf seine Art immer mehr. Am Anfang hatte ich große Probleme mit dem Personal, welches mich nicht akzeptieren konnte oder wollte. Das hat sich schon längst gelegt. Ich habe so gut wie gar keine Probleme mehr. Auch die Angst die ich anfangs hatte, erzeugt durch die Warnungen, dass die Kinder unberechenbar sind und auch gefährlich werden können, ist längst verflogen. Ich weiß inzwischen sehr gut, dass diese Kinder weder unberechenbar sind noch gefährlich. Das einzige was sie brauchen ist Liebe und Anerkennung. Wenn man weiß auf was jedes Kind reagiert, wenn man weiß, wie man mit jedem Kind am besten umgehen soll, dann merkt man ganz schnell, dass hinter all ihren Handlungen und Reaktionen eine gewisse Logik steckt und keine Gefahr.

Die Zeit vergeht so schnell, dass schon ein halbes Jahr vergangen ist, seit dem ich als Halbtagskraft angefangen habe im Heim zu arbeiten. Ich bin zuständig dafür, dass die Kinder unbeschwert aus den vier Wänden ihres Zimmers kommen und die Welt draußen entdecken können. Diese Tätigkeit zaubert den meisten Kindern ein Lächeln ins Gesicht. Man merkt wirklich wie diese dadurch glücklich werden.

Deswegen möchte ich mich an erster Stelle beim Verein “Unterstützung der Kinder in Agios Andreas” und dem Elternverein “I Storgi”  ganz herzlich bedanken, dass mir diese Tätigkeit anvertraut wurde und ich erleben darf, wie ich für ein kleines Stück Glück im Leben dieser Kinder arbeiten kann.

Seit 2017 kam ich regelmäßig mit den Frauen der Montagsgruppe ins Heim. Dort haben wir auf die kleineren Kinder aufgepasst. Speziell für mich wurde die süße und fröhliche Eftichia – ganz wie ihr Name sagt – zugeteilt. Dadurch hatte ich schon einen Einblick in das Heim mit seinen Bewohnern gewonnen. Viele Kinder kannte ich daher schon vom Sehen, bevor ich schließlich als Arbeitskraft angestellt wurde. Trotzdem ist es etwas ganz anderes, wenn man mit jedem dieser Menschen persönliche Zeit verbringt und deren Wesen wirklich kennenlernt.

Behindert oder sogar schwerstbehindert spielt keine Rolle mehr für mich. Ich habe durch meinen Kontakt mit diesen Menschen ganz klar erkannt, dass es genau solche Menschen sind wie wir, die wir uns für „gesund“ und “normal” halten. Eine jede dieser Seelen hat ihren ganz eigenen Charakter, ihre Vorlieben und ihre Art, mit der sie die Welt entdecken möchte wie auch die Art, sich auszudrücken. Die meisten der Kinder können nicht sprechen. Sie machen nur Geräusche. Trotzdem sind sie voll und ganz da. Sie merken alles, was um sie herum passiert und verstehen auch, was man ihnen mitteilt. Eigentlich ist es die meiste Zeit ganz einfach mit ihnen umzugehen. Man braucht nur eine gute Portion Geduld und Liebe. Ein bisschen Liebe reicht schon aus, um ein ganz glückliches Gesicht zu zaubern.

Um einen Eindruck von den tollen und sehr individuellen Persönlichkeiten zu geben, mit denen ich jeden Tag in Berührung komme, möchte ich einige Kinder einmal an dieser Stelle vorstellen, natürlich ohne ihre richtigen Namen zu nennen. (Auch die Bilder zum Artikel müssen anonym bleiben. Deshalb sind nur solche ausgewählt, die einen ungefähren Moment- Eindruck von ihnen geben.)

KONICA MINOLTA DIGITAL CAMERA

Da ist zunächst P: Dieser Junge, eigentlich schon ein Erwachsener, ist eines unserer Maskotkinder im Heim. Er kann laufen und hat einen sehr sonnigen Charakter. Er ist halb taub und wahrscheinlich deswegen spricht er auch nicht, aber er macht sehr typische Geräusche. Er liebt es auch, selbst Geräusche zu erzeugen, indem er auf Türen oder Wände klopft und dabei mit seinem Ohr lauscht. Ich habe einmal versucht ihm Musik von meinem Handy ganz nah an seinem Ohr abzuspielen und dabei gemerkt, dass er das total faszinierend findet. Manchmal mache ich mit ihm auch größere Spaziergänge. Er ist aber leider nicht sehr stabil auf seinen Beinen, was die Unternehmung schwierig macht. Er krallt sich auch ganz gerne an jemanden an, was wehtun kann. Wenn man ihm zu wenig Beachtung schenkt, fängt er an, einen über-all anzufassen und zu klopfen! Dabei lacht er dann ganz laut. Wird man dann ernst mit ihm, lacht er einfach weiter. Seine liebste Beschäftigung ist, Müll aufzusammeln (dazu gehören auch Stöcke und Steine) und diese in eine Tüte zu stecken oder direkt in eine Tonne zu werfen. Eine sehr hilfreiche Tätigkeit!

KONICA MINOLTA DIGITAL CAMERA

Dann ist da T: Dies ist eines der ruhigsten Kinder im Heim. Er hat down Syndrom, kann nicht sprechen und man wird auch niemals wirklich ein Geräusch von ihm hören. Nur sein Lachen kann man hören, welches sehr strahlend ist. Es macht ihm sehr viel Spaß, größere Sachen wie Stühle zu werfen und dabei zu lachen. Eine weitere Tätigkeit, welche er liebt, ist das Springen! Mit dem Springseil geht es eher schlechter, da er damit nicht richtig umgehen kann, aber wenn ich vor ihm mit dem Springseil springe, lacht er sich kaputt. Am besten klappt das Springen mit ihm, wenn man seine Hände hält und mit ihm zusammen springt. Das liebt er! Ich kann mit ihm sehr albern sein. Je alberner desto besser für ihn. Er ist auch fähig größere Spaziergänge durch die Felder zu machen (mit vielen Pausen zwischendurch). Das habe ich schon einige Male gemacht. Er ist abenteuerlustig. Wenn man keine Zeit für ihn hat, zieht er sich ganz schnell in sich zurück und macht einen müden, traurigen Eindruck. Manchmal gibt er sich seinen speziellen Gymnastikübungen hin, in dem er seine Beine hinter den Kopf zieht oder sich mit dem ganzen Oberkörper nach vorne biegt. Er ist sehr elastisch. Er könnte bestimmt im Zirkus einige Nummern hinbe-kommen, wenn er entsprechen trainiert würde. Seine Mutter kommt ihn regelmäßig besuchen und ist im Elternverein sehr aktiv.

Und da ist auch G: Das ist unser Sonnengott. G. ist ein Kind mit dem Engelmann Syndrom. Ganz zum speziellen Syndrom passend, hat er blonde Haare und blaue Augen und ist sehr leicht zu lautem Lachen zu bringen. Obwohl man ihn immer in einen Rollstuhl setzt, um mit ihm draußen rum zu fahren, muss man sehr gut auf ihn achten. Kaum lässt man seine Augen von ihm, ist er schon halb aus seinem Rollstuhl gekrabbelt und isst Erde oder Blätter. Er nimmt alles, aber auch alles was in seine Hände kommt, in den Mund. Meistens bekommt er in seinem Zimmer ein Tuch in die Hände, an denen er genüsslich kauen kann. Oft ist das Tuch samt seinem Anzug ganz nass davon. Etwas, was für mich sehr verwunderlich ist, denn er trinkt so gut wie gar kein Wasser.

KONICA MINOLTA DIGITAL CAMERA

Schließlich M: Das ist unsere kleine Türkin, die seit der Geburt halbseitig gelähmt ist. Sie hat erstaunliche Kraft und kann sich enorm gut fortbewegen indem sie wie ein Häschen hüpft. Trotzdem nehme ich sie immer mit einem Rollstuhl hinaus, denn es ist doch sehr anstrengend, überall hüpfen zu müssen. Sie mag es in ständiger Bewegung zu sein. Bleibt man stehen, wird sie sehr schnell ihren Unmut zeigen, indem sie wütende Geräusche macht und mit ihrer Faust ihr Knie schlägt. Das bedeutet für mich, dass ich mit ihr entweder weiter mit dem Rollstuhl viele Runden drehe, oder sie auf die Schaukel setze und kräftig schwinge. Das liebt sie.

Das sind einige von den Kindern, mit denen ich am meisten zu tun habe. Ein paar andere können sich auch gut bewegen, aber der Umgang mit ihnen ist schwer. Deshalb überlasse ich diese meinem Kollegen N. .

Ein paar andere Kinder sind total bettlägerig. Diese besuche ich dann zwischendurch immer einmal und nehme sie in den Arm. Dazu gehört auch mein allerliebster, der kleine süße Phillip.

Für mich ist diese Tätigkeit eine große Bereicherung für meine eigene Persönlichkeit, deswegen mache ich diese Arbeit auch gern; auch wenn sich manch einer wundert, warum ich mich entschlossen habe eine Arbeit zu machen, mit der ich so wenig Geld verdiene. Ich mache diese Arbeit nicht wegen des Geldes. Es steckt für mich viel mehr dahinter, Sachen, die man mit Geld einfach nicht kaufen kann. Das zu erleben, dafür bin ich dankbar.

Hier ein Foto von Rebekka:

Bericht von Monika

Als ich mich entschieden hatte mit Martin nach Rhodos zu gehen, war mir klar, dass ich dort in der Gemeinde ehrenamtlich tätig sein wollte. Schon bei unserem ersten Besuch auf der Insel schwärmte mir Irmgard Busch von der Arbeit im Heim Agios Andreas und von der Arbeit der vier jungen Frauen im sozialen Jahr vor. Natürlich war der Schock groß, als ich zum ersten Mal das Heim besichtigt hatte. Die Zustände waren für deutsche Verhältnisse kaum zu fassen, so dass ich mir erst einmal in der Nähe Hildesheims eine Einrichtung angesehen habe. Von dort nahm ich viele Anregungen mit, in der Hoffnung hier etwas zu ändern. Leider ist das sehr schwierig.  Mit Rose, Carmen und Beate hat man aber wunderbare Mitkämpferinnen für das Wohl der Kinder. So hoffe ich, mit meinem Besuch jeden Montagabend, dem kleinen Philipp ein wenig Nähe und Freude  gegeben zu haben. Er ist so ein wundervolles Kind und er gibt einem so viel zurück durch sein Lachen. Es ist eine große Freude zu sehen, wie unsere Freiwilligen mit den Kindern umgehen, sie so liebevoll betreuen und ihnen so viel an Zuneigung geben. 

Die Treffen mit unseren vier Mädels, wie wir sie immer nennen,  jeden Sonntagabend sind aus unserem Leben hier nicht mehr wegzudenken. Das gemeinsame Essen und die Gespräche mit ihnen sind uns sehr wichtig. Dazu kommt noch die kompetente Unterstützung durch Helga, die psychologisch beratend immer ansprechbar war und ist. Ich werde all dies sehr vermissen, aber den Verein und seine Arbeit weiter unterstützen.

Monika Knippenberg

Aussicht von der Kritinia-Burg
Tsambika-Ausblick