Was jetzt geschieht

Die Freiwilligen des Jahrganges 2020/21

Die Freiwilligen des Jahrganges 2019/20

Das sind (v.l.n.r.): Niklas, Sophie,  Aliki und Nele; die Freiwilligen des Jahrganges 2020/21

Ihr erster gemeinsamer Bericht von ihrem Leben und Arbeiten auf Rhodos

Hallo ihr Lieben!

Wir sind die neuen Freiwilligen auf dem wunderschönen Rhodos und würden euch gerne von uns und unseren Anfängen im DJIA berichten. Unsere Gruppe, also Nele aus Oldenburg, Aliki aus Hamburg, Sophie aus Renningen bei Stuttgart und natürlich Niclas aus Burbach bei Siegen, wurde  leider von Anfang an coronabedingt von einer Turbulenz in die Nächste gewirbelt.

Frisch nach dem Abitur, beziehungsweise der Ausbildung waren wir natürlich sehr glücklich, unser  Auslandsjahr beinah normal antreten zu können. Natürlich waren wir von der Schönheit Rhodos‘, unserer tollen Sprachlehrerin, dem zentral liegenden Waisenhaus und den ersten beiden „freien“ Wochen durch unsere Quarantäne richtig begeistert, doch nicht alles ist so gelaufen wie es hätte laufen sollen.

In den ersten Tagen, in denen wir ziemlich plötzlich gemeinsam bei unserer Ansprechpartnerin, Wochenend-Hotelière, Gelegenheits-Chauffeurin und Ruf-mich-einfach-an Rose gelebt haben, da wir für das Waisenhaus einen negativen Corona Test brauchten, haben wir erfahren wie schön es sein kann, zu viert unsere Zeit zu verbringen. Als es dann hieß, Niclas könne doch nicht mit uns in Rhodos Stadt leben, war das für unsere Gemeinschaft ein Schock und wir finden die Situation vor allem für Niclas, der allein lebt, ziemlich ungeschickt und schade. Auch unsere Probleme mit vor allem den Öffnungszeiten des Waisenhauses, wegen denen wir manchmal den ganzen Mittag drinnen sitzen, oder abends trotz ausgemachter Zeit stundenlang warten mussten, haben unsere Eingewöhnung nicht unbedingt vereinfacht. Wir sind sehr dankbar für all die Menschen, die uns bei diesem Thema unterstützt und geholfen haben, inzwischen hat sich vieles verbessert und wir fühlen uns auch deutlich willkommener.

Trotz all dieser Dinge erkundeten wir vor allem in den ersten beiden Wochen gemeinsam die Insel. Badeausflüge, ein Glas Wein in der Strandbar, Spaziergänge durch die wunderschöne Altstadt und unsere Inselrundfahrten mit Rose, unter anderem nach Lindos, haben diese Zeit unvergesslich gemacht. Auch von der Gemeinde fühlen wir uns freundlich willkommen geheißen. Wir genießen jetzt schon den gemütlichen Kaffee nach der Kirche genauso wie den Triti-Treff, zu dem wir sehr gerne kommen und von dem leckeren Frühstück sowie den deutschen Unterhaltungen begeistert sind.

Auch bei der Arbeit werden wir so langsam angenommen und auch selbst sicherer. Genauso wenig wie Niclas im Waisenhaus wohnen darf, darf er auch dort arbeiten, deshalb wechseln wir Mädchen uns dort regelmäßig ab. Wir begleiten die Kinder mit dem Bus zu ihren Freizeitaktivitäten, geben in unserer Freizeit auch Nachhilfe in Deutsch und Französisch und genießen den dort eher entspannteren Tagesablauf.

Wenn wir in Agios Andreas sind, funktioniert das mit der Ruhe nämlich nicht so gut. Zu Anfang waren wir vor allem mit drei kleineren Bewohnern unterwegs, die unheimlich gerne draußen sind und jede Minuten mit Spielen und Herumrennen verbringen. Also bestimmen stundenlanges Schaukeln, die Suche nach jedem Tropfen Wasser, der Erde in tollen Matsch verwandelt, und Gehübungen an der frischen Luft unseren Arbeitstag. Wenn wir mit den Kindern essen und sie ohne andere Aufsicht betreuen, merken wir, dass die Kinder viel mehr können als uns gesagt wurde und wir sind sehr glücklich, sie quasi ‚im Geheimen‘ fördern zu können.

Im großen Ganzen sind wir inzwischen gut angekommen, haben uns eingelebt und fühlen uns sehr wohl. Die Arbeit macht uns Spaß und vor allem im Agios Andreas haben wir das Gefühl wirklich etwas bewirken zu können. Jedes Lachen und freudiges Kreischen ist Lohn für unser Tun.

Auch unsere wachsenden Griechisch Kenntnisse sind sehr förderlich und durch die angehende Winterzeit bieten sich uns ganz neue Einblicke in das Leben auf der Insel.

Vielen Dank für die Förderung unseres Aufenthaltes, eure Freiwilligen

Sophie, Aliki, Nele und Niclas

Aliki auf Rhodos

Unter diesem Titel veröffrentlicht Aliki, eine Freiwillige des Jahrganges 2020/21, einen Blog über ihre Arbeit und ihre Eindrücke, dazu viele Fotos. Hier ist der Link dazu:

https://alikirhodos.blogspot.com

Aliki hat uns erlaubt, wichtige Texte aus dem Bolg auch auf unserer Website zu veröffentlichen. So erhaltet Ihr, erhalten Sie, einen lebendigen, authentischen Eindruck von der Arbeit unserer Freiwilligen auf Rhodos.

Vorwort

Liebe Freunde, liebe Familie, liebe Unterstützer, 

ich bin gut auf Rhodos angekommen und fühle mich hier sehr wohl. 
Zusammen mit meinen Mitfreiwilligen Nele aus Oldenburg, Sophie aus Renningen bei Stuttgart und Niclas aus Siegen in NRW bin ich in zwei Einsatzstellen tätig. Zwei Wochen arbeiten wir in dem Behindertenheim Agios Andreas in der Nähe des Flughafens. Hier betreuen wir hauptsächlich die drei jüngsten Bewohner. Wir helfen bei der Essensausgabe und spielen mit ihnen.
Eine Woche arbeitet dann immer eine von uns in einem Waisenhaus für Mädchen in Rhodos-Stadt. Hier begleiten wir diese zu ihren Nachmittagsaktivitäten. Wir weiblichen Freiwilligen wohnen ebenfalls in diesem Waisenhaus auf einer separaten Etage, Niclas ist das leider verwehrt; er wohnt bei unserer Ansprechperson Rosemarie.
  
An unseren freien Tagen erkunden wir die Insel und machen Ausflüge, verbringen Zeit am Strand, in der historischen Altstadt und in Museen. 
Es ist so schön hier! Vielen Dank, dass Ihr mir diesen Aufenthalt ermöglicht. 💙
 
Was bis jetzt geschah, könnt Ihr bei Interesse in diesem Blog erfahren. Ich werde hier regelmäßig Updates verfassen.

Ankunft auf Rhodos (Sept 2020)

Am 16.09 wurde ich in Rhodos am Flughafen bereits erwartet. Rosemarie stand am Arrival und hieß mich herzlich Willkommen auf der größten Insel der Dodekanes. Rose ist hier auf Rhodos für uns zuständig und gibt sich ganz viel Mühe, uns hier eine tolle Zeit zu bereiten. Durch ihren griechischen Mann ist sie hier auf die Insel gekommen und hat die “Stiftung zur Förderung des Agios Andreas” gegründet. Das “Agios Andreas” ist ein Heim für Menschen mit Behinderungen und mein gegenwärtiger Arbeitsplatz. 

Sie fuhr mich zum Waisenhaus in Rhodos-Stadt, in dem ich wohnen sollte. Schnell wurde aber klar, dass das ohne negativen Covid-Test nicht möglich wäre. So konnte ich nur 20 Minuten nach meiner Ankunft wieder den Koffer packen, und wir wurden bei Rose untergebracht, die mit uns für den Test ins Krankenhaus fuhr. “Wir” das sind meine Mitfreiwilligen Nele, Sophie und Niclas. Am Abend machten wir noch Bekanntschaft mit der Evangelischen Kirche deutscher Sprache von Rhodos. Diese zahlt uns teils das Taschengeld und unterstützt uns bei allen Anliegen.

Da wir nun also erstmal –  unabhängig vom Testergebnis – für 10 Tage  in Quarantäne gehen sollten, nutzen wir die Zeit zum Sightseeing. Da Sophie leider krank wurde (kein Corona!) mussten wir die ersten Erkundungsgänge ohne sie machen. Wir gingen durch den Wallgraben des Großmeisterpalasts, an der Stadtmauer entlang und durch die historische Altstadt mit ihren vielen schönen Gassen.

Nachdem wir am nächsten Tag das negative Corona-Ergebnis erhalten hatten, durften wir wieder zurück in das Waisenheim ziehen. Wir erhielten aber auch die Nachricht, dass Niclas dort nicht wohnen dürfe. Zwar hatte die Heimleitung ihr “ok” gegeben, doch im Heim sind keine Jungen erlaubt, wie die zuständige Behörde in Athen ihre Ablehnung begründete. Zu groß sei die Gefahr, dass die Mädchen ihm ein Delikt anhängen könnten. Niclas wohnt nun also bei Rose im nächsten Ort und somit 20 Minuten mit dem Bus entfernt. Das ist für keinen Beteiligten eine optimale Lösung und natürlich sehr schade für unsere Gemeinschaft.

Diese ersten Tage waren sehr chaotisch und ich hatte nicht die Chance, richtig anzukommen.

Unser Zimmer im Waisenheim teilen wir zu dritt. Es hat eine große Dachterrasse mit traumhafter Aussicht auf die Stadt und ist sehr zentral gelegen. In unserem Stockwerk sind eigentlich noch freie Zimmer für Studentinnen, im Moment sind wir aber ganz alleine hier. Wir teilen Bäder mit drei Toiletten und mit drei Duschen, sowie eine Küchenzeile mit Waschmaschine und Kühlschrank aber ohne Herd, Ofen oder Wasseranschluss für die Waschbecken…

Um die Quarantäne vollständig auszunutzen, besuchten wir jeden Morgen zwei Stunden einen Griechischkurs bei Xaris, die eigentlich Deutsch unterrichtet. Sie ist eine wirklich tolle Lehrerin, und obwohl der Kurs für mich oft Wiederholung war, machte es Spaß.

Im Waisenhaus fühlten wir uns zunächst wenig willkommen. Wir hatten keine Ansprechperson und viele offene Fragen. Wir wurden nie gegrüßt und eher ignoriert. Wir bekommen hier täglich drei Mahlzeiten, die wir wegen Corona oben auf unserem Zimmer einnehmen sollten. Das Waisenhaus ähnelt einem Hochsicherheitstrakt mit dreifach verriegelter Tür und vergitterten Fenstern. Man muss sich an strenge Ein- und Ausgangszeiten halten.

Einmal kamen wir 20 Minuten lang nicht aus dem Haus, da alles verschlossen war und wir keine Aufsichtsperson fanden. Und als wir einmal 5 Minuten nach Schließung der Türen am Waisenhaus ankamen, mussten wir fast eine Stunde draußen warten.

Wir waren sehr unzufrieden mit diesen Regelungen, über die uns außerdem auch nie jemand unterrichtet hatte. 

Deswegen hatten wir bald ein Gespräch mit einem Vertreter des Waisenhaus, der alles auf Corona und die Verwaltung in Athen schob. Wir fertigten dennoch ein Schreiben mit unseren Anliegen an, ließen es von Xaris übersetzen und legten es der Leitung des Heims vor. Nach einem Gespräch mit dieser hat sich vieles positiv verändert. Sie nannte uns Ansprechpersonen und gab uns Telefonnummern, verlängerte die Ausgehzeit bis 23.00 und gab uns einen Zimmerschlüssel. Da die Quarantäne vorbei ist, dürfen wir jetzt auch unten essen.

Der Gemeinde wurden wir im Gottesdienst am 27.09 vorgestellt. Ich freute mich sehr darüber, dass mein Freund Jonas mit seiner Familie, die gerade Urlaub auf Rhodos machten, daran teilnahm. In den folgenden Tagen unternahm ich mit den Krogmanns viele schöne Ausflüge und konnte mich so langsam eingewöhnen. Der Monat September endete für mich mit viel Vorfreude auf alles was kommen sollte…

Waisenhaus in Rhodos
Die Mitfreiwilligen

Oktober

Am 01.10. begann die Arbeit im Behindertenheim Agios Andreas. Wir fahren morgens immer mit dem Bus zur Einsatzstelle, Niclas steigt dazu. Dort angekommen, wurden uns die Räumlichkeiten gezeigt und Bewohner und Mitarbeiter vorgestellt. Die Einsatzstelle beheimatet ca. 20 Bewohner mit verschiedenen Behinderungen. Deshalb haben auch alle verschiedene Fähigkeiten: einige können nur liegen, manche sitzen im Rollstuhl, andere können sich frei bewegen, sprechen oder selbständig essen. Leider wird wenig auf die Behinderten eingegangen, es gibt kein individuelles Programm und wenig Förderung von Stärken (z.B. keine Behinderten-Werkstätten o.Ä.) 

In den folgenden Tagen unterstützten wir die Pflegekräfte bei der Arbeit und kümmerten uns um die uns zugewiesenen Kinder. 

Das erste Wochenende nutzten Nele und ich, um die Insel zu erkunden. Wir fuhren mit einem Mietwagen zu der bekannten Anthony Quinn Bucht, die besonders zum Schnorcheln interessant ist. Dann ging es auf die Inselmitte, in das Schmetterlingstal “Petaloudes”. Allerdings waren nur noch wenige Schmetterlinge der Art “Russischer Bär” da. Diese kommen nämlich Mitte Juni und bleiben nur bis Ende September. Sie werden von dem Harzgeruch des Amberbaums angelockt, der dort wächst. Aber allein der Natur wegen hat sich der Ausflug gelohnt. Danach fuhren wir ohne konkretes Ziel die Landstraßen entlang und stoppten immer, wenn wir etwas Interessantes entdeckten. Wir begegneten Hirschen und durchquerten dichte Wälder sowie durch steppenartige Landschaften. Es ist wirklich toll, wie abwechslungsreich die Flora und Fauna von Rhodos ist! Den Sonnenuntergang bestaunten wir dann auf dem Rückweg am Kallithea Strand.

Am Montag den 05.10. bot ich an, die erste Woche im Waisenhaus zu arbeiten, während die anderen drei im Agios Andreas sein würden. 

Wie bereits im Vorwort erwähnt, begleiten wir im Waisenhaus die Mädchen zu ihren Nachmittagsaktivitäten. Morgens erhält man das Programm, holt dann ca 15 min. vor dem Termin die Kinder am Aufenthaltsraum ab und fährt mit dem Fahrer Vassili und dem Kind zur Nachhilfeschule, zum Basketball oder anderen Verabredungen und Terminen und holt sie später wieder ab. Diese Aufgabe ist, wie Ihr Euch denken könnt, sehr eintönig. Mir ist aber auch bewusst, dass die Kinder ohne diese Begleitperson nicht am “sozialen Leben” teilnehmen könnten. Es ist nämlich gesetzlich vorgeschrieben, dass Kinder in staatlicher Obhut von mindestens zwei Personen begleitet werden müssen. Die Freizeit zwischen den Terminen in dieser Woche nutzte ich, um mich mit Mama und Papa zu treffen, die vom 05.-11. Oktober zu Besuch waren. Ich zeigte ihnen meine liebsten Cafés, wir schlenderten durch die Altstadt und gingen abends wunderbar essen.

Am Samstag machte ich mit ihnen einen Tagesausflug. Mit einem Mietwagen fuhren wir nach Kamiros; eine Stadt die zweifach von Erdbeben heimgesucht -(zuletzt 139 n.Chr.) und schließlich nicht wieder aufgebaut wurde. Danach ging es weiter zur Burgruine Kritinia, von der man einen atemberaubenden Blick auf umliegende Inseln wie Chalki hat. Die Burg wurde 1472 von den Kreuzrittern erbaut und gilt als eine der besterhaltenen Burgen in der Region. Weniger gut erhalten ist die 1476 erbaute Johanniterburg Monolithos, die wir im Anschluss besichtigten. Aber auch hier hat man eine einzigartige Aussicht. Im etwas weiter im Landesinneren gelegenen Dorf Monolithos aßen wir in einer gemütlichen Taverne, bevor wir das südliche Ende der Insel, genannt Prassonissi, erreichten. Diese Spitze ist bekannt als das Paradies für Kite- und Windsurfer. Die bunten Schirme und Drachen sehen wirklich toll vor dem strahlend blauen Himmel aus. Fotos seht ihr unten. Zum Abschluss badeten wir in einer kleinen ruhigen Bucht an der Ostküste. Es war ein schöner Tag! Zurück am Waisenhaus musste ich meine Eltern dann verabschieden, denn am nächsten Tag flogen sie zurück nach Hamburg. Eigentlich sind sie ja doch ganz nett 🙂

Am Sonntag folgte dann gleich der nächste Ausflug. Sophie, Nele und ich mieteten uns ebenfalls ein Auto und besuchten das 220 m. über dem Meer gelegene Tsambika-Kloster. Hier führen 300 Stufen hoch zu einer “wundersamen Ikone” die beim Kinderwunsch helfen soll. Die Legende besagt, dass Fischer die Ikone am unten gelegenen Strand (andere Quellen behaupten auf einem Baum in Archangelos) fanden und bald feststellen, dass diese aus Zypern verschwunden war. Mehrmals wurde die Ikone dorthin zurückgebracht, aber tauchte immer wieder am Tsambika-Strand auf. Die Ikone soll zu den Fischern gesagt haben, sie mögen ihr auf dem Berg eine Kirche bauen. Die kinderlosen Frauen, die dabei halfen, wurden später- wie durch ein Wunder- schwanger.

Frauen, die sich ein Kind wünschen, gehen seither diese Stufen auf Knien hoch. Sie legen ein Gelübde ab: Wenn sie tatsächlich schwanger werden, nennen sie ihre Kinder “Tsambika” oder “Tsambikos”. Und es scheint zu funktionieren: Hier im Waisenhaus und auch im Agios Andreas heißen Betreuerinnen Tsambika! Nach diesem körperlich anstrengenden “Kulturprogramm” legten wir uns an die Tsambika-Bucht und genossen die Sonne und das türkise Meer.

Der letzte Stopp war dann noch einmal Prassonissi. Sophie und Nele kannten das ja noch nicht, und mir machte ein zweiter Besuch nichts aus. Im Hochsommer kann man über eine Sandbank auf die gegenüberliegende Halbinsel gehen. Das war an diesem Tag aber nicht der Fall, das Wasser ging ungefähr bis zum Bauchnabel. Während die Mädchen den Übergang wagten, passte ich offiziell “auf die Wertsachen auf” las dabei und trank einen Eiscafé am Strand.

Das Wochenende haben wir also voll ausgenutzt!

Am Dienstag arbeitete ich dann mit Nele und Niclas im Agios Andreas. Hier sind wir hauptsächlich für drei Kinder zuständig. Zum Schutz der Kinder muss ich diese hier umbenennen. 

  • Rosa ist acht Jahre alt, und ihr fehlen Wirbel und Armknochen. Sie spricht nicht, kann aber alleine essen und ist sehr selbstbestimmt. Sie liebt es zu schaukeln und mit Tannennadeln, Fäden oder Erde zu spielen.
  • Emilia ist 14 Jahre alt, hat Spasmen in den Bewegungen und kann nur beschränkt gehen und stehen, sitzt also die meiste Zeit im Rollstuhl. Sie lacht sehr viel. Wenn ihr etwas nicht gefällt, haut und beißt sie. Sie braucht Unterstützung beim Essen. Emilia und Rosa teilen sich ein Zimmer.
  • Costa ist ebenfalls acht Jahre alt und Autist. Bei emotionaler Aufregung übergibt er sich. Er ist sehr aufmerksam und liebt es, Sachen auseinander zu bauen (kaputt zu machen). Er ist nicht gerne mit vielen Menschen zusammen und braucht immer eine Rückzugsmöglichkeit. Er kann drei Wörter: “auf” und “zu” sowie “komm” auf griechisch und gibt auch sonst Laute von sich.

Die Mitarbeiter sind freundlich, manche allerdings wenig engagiert. Es kommt vor, dass die Bewohner ein oder zwei Tage ihre Zimmer nicht verlassen. Ebenso passiert es, dass die Kinder manchmal einfach nicht frisch gewickelt werden. Die Zimmer gleichen teilweise Zellen, in denen nur eine Matratze liegt. Sonst nichts… Der Standard ist also ziemlich einfach.

In dieser ersten Zeit sollten wir die Kinder immer mit einer anderen Aufsicht aus dem Zimmer nehmen. Dann setzten wir uns draußen hin, spielten mit Baukästen, dem Ball, schaukelten oder wippten und schoben Emilia und andere im Rollstuhl über das Gelände.

Am Sonntag, dem 18.10., besuchte ich dann mit Sophie den Großmeisterpalast, der Ausstellungen über die Byzantine und das Antike Griechenland sowie über Mosaike von Kos beherbergt.

Wir gingen über die original erhaltene Ritterstraße in die Altstadt und kamen irgendwann wieder am Mandraki Hafen an, wo wir mit Niclas Kaffee tranken. Auf den Felsen am alten Leuchtturm genossen wir dann die letzten Sonnenstrahlen, bis wir uns auf den Weg in die Gemeinde machten. Dort sind wir nämlich jeden Sonntag von dem Pastorenehepaar zum Essen eingeladen, Rose kommt auch dazu. Das ist immer eine nette Runde, und ich bin sehr dankbar dafür. 

Da wir im Agios Andreas von Dienstag bis Samstag arbeiten, nutzten wir auch unseren freien Montag, um die Stadt weiter zu erkunden. Sophie und ich gingen auf die Stadtmauer und besichtigten zusammen mit Niclas das Archäologische Museum. Ausgestellt sind Keramiken, diverse Funde und Büsten. Sehenswert ist aber auch das Gebäude und die Anlage. Danach gingen wir, wie immer, Kaffeetrinken. Soweit haben wir die griechische Kultur schon übernommen. Uns wurde es auch nicht langweilig, den Sonnenuntergang am Meer zu bestaunen – die Farben sind einfach soo schön.

Dienstags besuchen wir jetzt regelmäßig das in der Gemeinde stattfindende Frühstück. Die Teilnehmer sind alle sehr nett, und wenn man etwas braucht, ist man hier auch immer an der richtigen Adresse. In Griechenland kennt ja immer jemand jemanden der jemanden kennt.

In der folgenden Woche hatten wir außerdem einen Termin bei unserer Psychologin Helga. Diese Seminare sind Bestandteil unseres Aufenthalts. Wir sprechen viel über uns als Gruppe und vor allem über die Arbeit in den Einsatzstellen, die nicht immer einfach ist. Zu sehen, in welchem Elend Menschen hier leben oder welche Schicksale uns umgeben, ist oft hart. 

Im Agios Andreas wurde uns immer mehr anvertraut, und wir, wie auch die Kinder, gewöhnten uns aneinander. Wir haben alle Spaß an der Arbeit, aber am Abend ist man wirklich erschöpft.

Am 28. wird hier der Ochi-Tag gefeiert. Hintergrund ist die Ablehnung des von Benito Mussolini am 28. Oktober 1940 an Griechenland gestellten Ultimatums vor dem Beginn des Griechisch-Italienischen Krieges. An diesem Tag findet eigentlich auch ein Umzug statt, dieser wurde aber wegen Corona abgesagt. Am Tag regnete es stark und wir mussten feststellen, dass unsere Fenster kein bisschen abdichten. Mit Hilfe von Isoliertape und Papa im Videochat konnte ich das Problem zumindest minimieren. 

Am Donnerstag, dem 30. 10.,wurden wir dann plötzlich von der Arbeit nach Hause geschickt, weil jemand aus dem Waisenhaus positiv auf Corona getestet wurde. Später stellte sich dann heraus, dass es sich eigentlich um den Mann der Köchin handelte (dieser arbeitet hier nicht), aber das Ergebnis der Köchin selbst noch nicht feststand. Also waren wir alle in Quarantäne. Am Nachmittag suchte uns dann noch ein Erdbeben der Stärke 6,9 heim, allerdings habe ich davon nichts gemerkt. Das Epizentrum lag bei Samos, und die Stadt Izmir in der Türkei wurde stark zerstört, es gab leider auch Tote. Am Abend wurde das Haus sterilisiert, und wir sollten für die folgenden Tage allesamt zu Hause bleiben. Mir ging es gesundheitlich nicht gut, und ich vermutete wieder eine Nierenbeckenentzündung. Am Abend suchte ich daher noch einen Urologen auf, der mir ein Antibiotikum verschrieb und angeblich erkannte, dass meine Niere fast “tot” sei. Ausgerechnet an diesem Wochenende stand ein Besuch von Oma Uta an, die zu diesem Zeitpunkt schon gelandet war. Ihr könnt Euch vorstellen, dass das Timing der Geschehnisse nicht gerade optimal war…

Trotz Quarantäne traf ich an den darauffolgenden Tagen meine Oma. So gut es ging, hielten wir Abstand. Wir besichtigten die Nea Agora, den Großmeisterpalast, das Aquarium, den Hafen und die Altstadt und bestellten in einem Restaurant eine Fischplatte, die eher für vier Personen gedacht war. Wir hatten eine tolle Zeit, und ich habe mich sehr über ihren Besuch gefreut. Auch, wenn die Umstände besser hätten sein können!

Der Monat Oktober war unglaublich lang, spannend aber auch anstrengend, und ich freue mich, dass Ihr meine Zeit hier auf Rhodos so interessiert verfolgt. 

Auch, wenn das in den November gehört: Die Köchin wurde negativ getestet und meiner Niere geht es gut, es war eine Fehldiagnose. Mehr dazu dann im nächsten Blog!

Die Freiwilligen des Jahrganges 2019/20 für Agios Andreas und das Waisenhaus stellen sich vor

Berichte von Freda

Die Freiwilligen des Jahrganges 2018/2019

von links nach rechts: Emilia, Selen, Pauline, Helena

Hier berichten sie über ihre Arbeit:

Wir sind jetzt fast am Ende unseres Freiwilligendienstes angekommen. Die vergangenen Monate auf Rhodos haben wir sehr genossen, ganz besonders natürlich die gemeinsame Zeit mit unseren Kindern in Agios Andreas. Dabei konnten wir zu unserer aller Freude, auch einige Fortschritte bei unseren Schützlingen feststellen. Ein paar davon wollen wir hier mit euch teilen.

Unsere Kleinste, V., war anfangs noch sehr unsicher, wenn es darum ging, eigenständig zu handeln. So hat sie damals kaum einen Schritt ohne uns an ihrer Hand gemacht und musste sich häufig vergewissern, dass wir noch da sind. Heute rennt sie quer durchs Gelände, immer wissend, dass auf unsere Anwesenheit Verlass ist. Auch ihr Gleichgewichtssinn hat sich um einiges verbessert. Am Meisten freut uns, dass sie inzwischen gut genug kauen kann, um feste Nahrung zu sich zu nehmen.

Unser kleiner Tüftler T. ist nach wie vor an allem Mechanischen interessiert und gewinnt darüber ständig neue Erkenntnisse. Besonders freut uns dabei, dass er immer mehr Wörter ins gemeinsame Spiel einbringt, wie zum Beispiel: „ella“ (komm), „ochi“ (nein), „ena, dio“ (eins, zwei) oder „klisse“ (schließen). Auch seine Gestik zur sonstigen Verständigung ist eindeutiger geworden.

Die Älteste unserer kleinen Bande, E., ist unsere Meisterin im Zähneputzen, niemand sonst macht das so eigenständig wie sie. Anfangs noch sehr misstrauisch und schüchtern, kommt sie nun vollkommen aus sich heraus. Besonders viel Enthusiasmus zeigt sie bei gemeinsamen Klatschspielen. Wenn sie selbstbewusst zu „We will rock you“ mitklatscht zeigt sich vor allem auch ihr stark verbessertes Rhythmusgefühl.

Wir sind sehr traurig, dass unser gemeinsamer Weg mit den Kindern nun bald zu Ende geht, sind jedoch schon sehr gespannt von den nächsten Freiwilligen über die weiteren Fortschritte und Entwicklungen unserer Kinder zu hören.

Helena, Selen, Emilia und Pauline

Rebekka, eine Deutsch-Griechin aus Rhodos

Rebekka arbeitet seit mehr als einem halben Jahr in Agios Andreas. Unser Verein Stirixi hat sie als Halbtageskraft zur Unterstützung des Pflegepersonals zusammen mit dem griechischen Elternverein I Storgi dort angestellt.

Hier ihr Bericht über ihre Arbeit dort:

Meine Arbeit kann ich so beschreiben: Ich passe mich an die Bedürfnisse und die Vorlieben der Kinder an. Mein hauptsächliches Ziel ist es, den Kindern ein Lächeln auf das Gesicht zu zaubern. Wenn ich einmal heraus- gefunden habe, was das Kind zum Lachen bringt, versuche ich immer wieder damit das Kind zum Lachen zu bringen. Es entsteht so eine zwischenmenschliche Beziehung, die mit der Zeit immer tiefer und reifer wird. Ich lerne das Kind immer besser kennen und das Kind öffnet sich mir gegenüber auf seine Art immer mehr. Am Anfang hatte ich große Probleme mit dem Personal, welches mich nicht akzeptieren konnte oder wollte. Das hat sich schon längst gelegt. Ich habe so gut wie gar keine Probleme mehr. Auch die Angst die ich anfangs hatte, erzeugt durch die Warnungen, dass die Kinder unberechenbar sind und auch gefährlich werden können, ist längst verflogen. Ich weiß inzwischen sehr gut, dass diese Kinder weder unberechenbar sind noch gefährlich. Das einzige was sie brauchen ist Liebe und Anerkennung. Wenn man weiß auf was jedes Kind reagiert, wenn man weiß, wie man mit jedem Kind am besten umgehen soll, dann merkt man ganz schnell, dass hinter all ihren Handlungen und Reaktionen eine gewisse Logik steckt und keine Gefahr.

Die Zeit vergeht so schnell, dass schon ein halbes Jahr vergangen ist, seit dem ich als Halbtagskraft angefangen habe im Heim zu arbeiten. Ich bin zuständig dafür, dass die Kinder unbeschwert aus den vier Wänden ihres Zimmers kommen und die Welt draußen entdecken können. Diese Tätigkeit zaubert den meisten Kindern ein Lächeln ins Gesicht. Man merkt wirklich wie diese dadurch glücklich werden.

Deswegen möchte ich mich an erster Stelle beim Verein “Unterstützung der Kinder in Agios Andreas” und dem Elternverein “I Storgi”  ganz herzlich bedanken, dass mir diese Tätigkeit anvertraut wurde und ich erleben darf, wie ich für ein kleines Stück Glück im Leben dieser Kinder arbeiten kann.

Seit 2017 kam ich regelmäßig mit den Frauen der Montagsgruppe ins Heim. Dort haben wir auf die kleineren Kinder aufgepasst. Speziell für mich wurde die süße und fröhliche Eftichia – ganz wie ihr Name sagt – zugeteilt. Dadurch hatte ich schon einen Einblick in das Heim mit seinen Bewohnern gewonnen. Viele Kinder kannte ich daher schon vom Sehen, bevor ich schließlich als Arbeitskraft angestellt wurde. Trotzdem ist es etwas ganz anderes, wenn man mit jedem dieser Menschen persönliche Zeit verbringt und deren Wesen wirklich kennenlernt.

Behindert oder sogar schwerstbehindert spielt keine Rolle mehr für mich. Ich habe durch meinen Kontakt mit diesen Menschen ganz klar erkannt, dass es genau solche Menschen sind wie wir, die wir uns für „gesund“ und “normal” halten. Eine jede dieser Seelen hat ihren ganz eigenen Charakter, ihre Vorlieben und ihre Art, mit der sie die Welt entdecken möchte wie auch die Art, sich auszudrücken. Die meisten der Kinder können nicht sprechen. Sie machen nur Geräusche. Trotzdem sind sie voll und ganz da. Sie merken alles, was um sie herum passiert und verstehen auch, was man ihnen mitteilt. Eigentlich ist es die meiste Zeit ganz einfach mit ihnen umzugehen. Man braucht nur eine gute Portion Geduld und Liebe. Ein bisschen Liebe reicht schon aus, um ein ganz glückliches Gesicht zu zaubern.

Um einen Eindruck von den tollen und sehr individuellen Persönlichkeiten zu geben, mit denen ich jeden Tag in Berührung komme, möchte ich einige Kinder einmal an dieser Stelle vorstellen, natürlich ohne ihre richtigen Namen zu nennen. (Auch die Bilder zum Artikel müssen anonym bleiben. Deshalb sind nur solche ausgewählt, die einen ungefähren Moment- Eindruck von ihnen geben.)

KONICA MINOLTA DIGITAL CAMERA

Da ist zunächst P: Dieser Junge, eigentlich schon ein Erwachsener, ist eines unserer Maskotkinder im Heim. Er kann laufen und hat einen sehr sonnigen Charakter. Er ist halb taub und wahrscheinlich deswegen spricht er auch nicht, aber er macht sehr typische Geräusche. Er liebt es auch, selbst Geräusche zu erzeugen, indem er auf Türen oder Wände klopft und dabei mit seinem Ohr lauscht. Ich habe einmal versucht ihm Musik von meinem Handy ganz nah an seinem Ohr abzuspielen und dabei gemerkt, dass er das total faszinierend findet. Manchmal mache ich mit ihm auch größere Spaziergänge. Er ist aber leider nicht sehr stabil auf seinen Beinen, was die Unternehmung schwierig macht. Er krallt sich auch ganz gerne an jemanden an, was wehtun kann. Wenn man ihm zu wenig Beachtung schenkt, fängt er an, einen über-all anzufassen und zu klopfen! Dabei lacht er dann ganz laut. Wird man dann ernst mit ihm, lacht er einfach weiter. Seine liebste Beschäftigung ist, Müll aufzusammeln (dazu gehören auch Stöcke und Steine) und diese in eine Tüte zu stecken oder direkt in eine Tonne zu werfen. Eine sehr hilfreiche Tätigkeit!

KONICA MINOLTA DIGITAL CAMERA

Dann ist da T: Dies ist eines der ruhigsten Kinder im Heim. Er hat down Syndrom, kann nicht sprechen und man wird auch niemals wirklich ein Geräusch von ihm hören. Nur sein Lachen kann man hören, welches sehr strahlend ist. Es macht ihm sehr viel Spaß, größere Sachen wie Stühle zu werfen und dabei zu lachen. Eine weitere Tätigkeit, welche er liebt, ist das Springen! Mit dem Springseil geht es eher schlechter, da er damit nicht richtig umgehen kann, aber wenn ich vor ihm mit dem Springseil springe, lacht er sich kaputt. Am besten klappt das Springen mit ihm, wenn man seine Hände hält und mit ihm zusammen springt. Das liebt er! Ich kann mit ihm sehr albern sein. Je alberner desto besser für ihn. Er ist auch fähig größere Spaziergänge durch die Felder zu machen (mit vielen Pausen zwischendurch). Das habe ich schon einige Male gemacht. Er ist abenteuerlustig. Wenn man keine Zeit für ihn hat, zieht er sich ganz schnell in sich zurück und macht einen müden, traurigen Eindruck. Manchmal gibt er sich seinen speziellen Gymnastikübungen hin, in dem er seine Beine hinter den Kopf zieht oder sich mit dem ganzen Oberkörper nach vorne biegt. Er ist sehr elastisch. Er könnte bestimmt im Zirkus einige Nummern hinbe-kommen, wenn er entsprechen trainiert würde. Seine Mutter kommt ihn regelmäßig besuchen und ist im Elternverein sehr aktiv.

Und da ist auch G: Das ist unser Sonnengott. G. ist ein Kind mit dem Engelmann Syndrom. Ganz zum speziellen Syndrom passend, hat er blonde Haare und blaue Augen und ist sehr leicht zu lautem Lachen zu bringen. Obwohl man ihn immer in einen Rollstuhl setzt, um mit ihm draußen rum zu fahren, muss man sehr gut auf ihn achten. Kaum lässt man seine Augen von ihm, ist er schon halb aus seinem Rollstuhl gekrabbelt und isst Erde oder Blätter. Er nimmt alles, aber auch alles was in seine Hände kommt, in den Mund. Meistens bekommt er in seinem Zimmer ein Tuch in die Hände, an denen er genüsslich kauen kann. Oft ist das Tuch samt seinem Anzug ganz nass davon. Etwas, was für mich sehr verwunderlich ist, denn er trinkt so gut wie gar kein Wasser.

KONICA MINOLTA DIGITAL CAMERA

Schließlich M: Das ist unsere kleine Türkin, die seit der Geburt halbseitig gelähmt ist. Sie hat erstaunliche Kraft und kann sich enorm gut fortbewegen indem sie wie ein Häschen hüpft. Trotzdem nehme ich sie immer mit einem Rollstuhl hinaus, denn es ist doch sehr anstrengend, überall hüpfen zu müssen. Sie mag es in ständiger Bewegung zu sein. Bleibt man stehen, wird sie sehr schnell ihren Unmut zeigen, indem sie wütende Geräusche macht und mit ihrer Faust ihr Knie schlägt. Das bedeutet für mich, dass ich mit ihr entweder weiter mit dem Rollstuhl viele Runden drehe, oder sie auf die Schaukel setze und kräftig schwinge. Das liebt sie.

Das sind einige von den Kindern, mit denen ich am meisten zu tun habe. Ein paar andere können sich auch gut bewegen, aber der Umgang mit ihnen ist schwer. Deshalb überlasse ich diese meinem Kollegen N. .

Ein paar andere Kinder sind total bettlägerig. Diese besuche ich dann zwischendurch immer einmal und nehme sie in den Arm. Dazu gehört auch mein allerliebster, der kleine süße Phillip.

Für mich ist diese Tätigkeit eine große Bereicherung für meine eigene Persönlichkeit, deswegen mache ich diese Arbeit auch gern; auch wenn sich manch einer wundert, warum ich mich entschlossen habe eine Arbeit zu machen, mit der ich so wenig Geld verdiene. Ich mache diese Arbeit nicht wegen des Geldes. Es steckt für mich viel mehr dahinter, Sachen, die man mit Geld einfach nicht kaufen kann. Das zu erleben, dafür bin ich dankbar.

Hier ein Foto von Rebekka:

Bericht von Monika

Als ich mich entschieden hatte mit Martin nach Rhodos zu gehen, war mir klar, dass ich dort in der Gemeinde ehrenamtlich tätig sein wollte. Schon bei unserem ersten Besuch auf der Insel schwärmte mir Irmgard Busch von der Arbeit im Heim Agios Andreas und von der Arbeit der vier jungen Frauen im sozialen Jahr vor. Natürlich war der Schock groß, als ich zum ersten Mal das Heim besichtigt hatte. Die Zustände waren für deutsche Verhältnisse kaum zu fassen, so dass ich mir erst einmal in der Nähe Hildesheims eine Einrichtung angesehen habe. Von dort nahm ich viele Anregungen mit, in der Hoffnung hier etwas zu ändern. Leider ist das sehr schwierig.  Mit Rose, Carmen und Beate hat man aber wunderbare Mitkämpferinnen für das Wohl der Kinder. So hoffe ich, mit meinem Besuch jeden Montagabend, dem kleinen Philipp ein wenig Nähe und Freude  gegeben zu haben. Er ist so ein wundervolles Kind und er gibt einem so viel zurück durch sein Lachen. Es ist eine große Freude zu sehen, wie unsere Freiwilligen mit den Kindern umgehen, sie so liebevoll betreuen und ihnen so viel an Zuneigung geben. 

Die Treffen mit unseren vier Mädels, wie wir sie immer nennen,  jeden Sonntagabend sind aus unserem Leben hier nicht mehr wegzudenken. Das gemeinsame Essen und die Gespräche mit ihnen sind uns sehr wichtig. Dazu kommt noch die kompetente Unterstützung durch Helga, die psychologisch beratend immer ansprechbar war und ist. Ich werde all dies sehr vermissen, aber den Verein und seine Arbeit weiter unterstützen.

Monika Knippenberg